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NOZ: Gespräche mit Patienten- und Datenschützern zur Gesundheits-App eines Versicherers

Osnabrück.- Die Pläne der Generali-Versicherung, Fitnessdaten ihrer Kunden zu sammeln, stoßen auf heftige Kritik. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) warnte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, der Traum vom gläsernen Patienten sei hochgefährlich. Die Krankenkasse sei kein Partner des Patienten, sondern eine Versicherung mit glasklaren Wirtschaftsinteressen. Das Bundesamt für Versicherungswesen fordert Brysch auf, "der Generali schnell auf die Finger zu klopfen."

Das geplante Gesundheitsprogramm der Generali sieht vor, den Versicherten mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten (Rabatte Definition) für ein gesundes Verhalten zu belohnen. Die entsprechenden Daten sollen über eine App dokumentiert werden.

Der Vorsitzende des Telematikausschusses der Bundesärztekammer Franz-Joseph Bartmann sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Sobald die einen Rabatte für gesundheitsbewusstes Verhalten bekommen, werden andere, die weniger gesundheitsbewusst leben oder bloß nicht bereit sind, sich an dieser Offenlegung zu beteiligen, finanziell bestraft." Solche Offerten brächten letztlich die gesamte Versicherungswirtschaft in eine Schieflage.

Ähnlich äußerte sich auch der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte und Vorsitzende der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) Peter Schaar: "Wer sich verweigert und seine Privatsphäre bewahrt, muss mehr zahlen", kritisierte er. Die Überwachungsspirale werde durch solche Konzepte nur noch weiter gedreht.

Mittlerweile denkt auch die Ergo-Versicherung über Versicherungsprodukte nach, bei denen Beiträge verhaltensabhängig kalkuliert werden. 

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Dr. Ursula Kramer
04.12.14 11:11 Uhr
Nur jede 3. Gesundheits-App macht Angaben zum Datenschutz

Die heftige Reaktion auf die Ankündigung der Generali-Versicherung ist nachvollziehbar. Insbesondere, wenn man sich die derzeitige Praxis anschaut, mit der App-Anbieter, darunter auch Krankenkassen, über den Schutz der Nutzerdaten informieren. Nur etwa jede 3. der insgesamt 214 getesten health-Apps macht Angaben zum Datenschutz, 52 davon sind Apps von Krankenkassen. Details s. Referenzdatenbank für Gesundheits-Apps www.healthon.de
Von der gut gemeinten Stärkung der Eigenverantwortung durch Selbstvermessung ist der Grad sehr schmal in Richtung Pflicht zur Gesundheit Weil aber Gesundheit sicher mehr ist als die Summe der Vitaldaten, und ein gesundheitsförderlicher Lebensstil noch lange kein Garant für ein gesundes Leben ist, gehören diese Daten nicht in die Hand der Krankenversicherungen, die sich aus wirtschafltichen Gründen Versicherte mit einem möglichst geringen Krankheitsrisiko wünschen muss.
Initiative Präventionspartner

 

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