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Ukraine bleibt wichtiges Transitland

Ostseepipeline erst zu einem Drittel ausgelastet

Die vor einem Vierteljahr in Betrieb gegangene deutsch-russische Ostseepipeline ist trotz der rekordverdächtigen Minustemperaturen in Europa bislang erst zu etwa einem Drittel ausgelastet. "Wir befinden uns noch für einige Monate in der Anlaufphase", sagte Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert am Freitag in Lubmin.

Von Ralph Sommer

Gegenwärtig fließen stündlich etwas mehr als eine Million Kubikmeter Erdgas durch den ersten Pipelinestrang. Dies entspreche genau der vom russischen Lieferanten Gazprom mit süd- und westeuropäischen Kunden vereinbarten Transportmenge, sagte Ebert. Es gebe bei der Ostseepipeline keine winterbedingten Kürzungen des Gasflusses.

Das in Westsibirien bei Nowy Urengoi geförderte Gas erreicht den deutschen Anlandepunkt Lubmin bei Greifswald mit einem Druck von 113 Bar. Anschließend wird es über die Ostseepipeline-Anbindungsleitung (OPAL) der Wingas-Gruppe durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen nach Tschechien weitergeleitet.

Nach Angaben von Wingas-Sprecher Nicholas Neu werden mehr als 90 Prozent der Gasmenge in das süd- und westeuropäische Verbundnetz eingespeist. Nur ein ganz kleiner Teil werde südlich von Berlin zur Versorgung der Hauptstadt abgezweigt.

Gesteuert wird der gesamte Gasfluss in der Gazprom-Zentrale in Moskau. Nach Konzernangaben strömten seit der Inbetriebnahme am 8. November bereits mehr als eine Milliarde Kubikmeter Erdgas durch die Ostsee nach Lubmin, eine Menge, die ausreicht, um in diesem Zeitraum etwa vier Millionen Haushalte zu versorgen.

85 Prozent des zweiten Strangs durch die Ostsee verlegt

Unterdessen liegen die Arbeiten zur Verlegung des Zwillingstrangs der Ostseepipeline weiterhin im Zeitplan. Inzwischen seien bereits 1.041 der 1.224 Kilometer langen Leitung verschweißt und auf dem Ostseegrund verlegt worden, sagte Ebert. Gegenwärtig befinde sich das italienische Verlegeschiff "Castor 6" südlich der schwedischen Insel Gotland im Einsatz. "Wir gehen davon aus, dass das letzte Segment Ende April versenkt wird und anschließend die Vorbereitungen für die zum Jahresende geplante Inbetriebnahme des zweiten Stranges beginnen können."

Nach Wingas-Angaben wird Ende 2012 auch die gegenwärtig noch in Mecklenburg-Vorpommern und südlich von Hamburg in Bau befindliche Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL) als Anschluss nach Westeuropa fertiggestellt sein.

Der russische Gazprom-Konzern hatte am Wochenende eingeräumt, kurzzeitig etwa zehn Prozent weniger Erdgas an Europa geliefert zu haben. Unter anderem hatte Gazprom-Manager Andrej Kuglow der Ukraine vorgeworfen, der durch ihr Territorium verlaufenden Pipeline mehr Gas entnommen zu haben als vereinbart. Zeitweilig seien von den Kürzungen acht EU-Staaten betroffen gewesen. Die Lage habe sich aber wieder stabilisiert.

Nach Angaben des Versorgers Ukrtransgas ist die Ukraine auch nach der Inbetriebnahme der Ostseepipeline ein wichtiges Transitland für die Versorgung Westeuropas mit russischem Erdgas. Demnach soll die durch das Land führende Leitung 2011 mit mehr als 100 Milliarden Kubikmetern sogar acht Prozent mehr Erdgas befördert haben als im Jahr zuvor.

Die volle Kapazität der beiden Stränge der Ostseepipeline wird bei jährlich 55 Milliarden Kubikmetern liegen, ausreichend für etwa 52 Millionen europäische Haushalte.

(dapd )


 


 

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