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TGV fährt erstmals nicht über Paris

SNCF und DB eröffnen Strecke Frankfurt - Marseille

Genau um 15:02 Uhr am Freitag unterbrachen laute Hupsignale abrupt die Stille in der Kleingartenkolonie am Bahndamm nördlich des Karlsruher Hauptbahnhofs. Die Lokführer zweier blau-silberner TGV-Euro-Duplex-Züge feierten laut trötend zwischen weißen, roten und gelben Frühlingsblüten ihre Begegnung.


Von Thomas Rietig

Der eine war auf dem Weg von Frankfurt nach Marseille. Er hatte den größten Teil der Strecke noch vor sich. Der andere war um 8:14 Uhr in Marseille losgefahren und hatte ein bisschen Verspätung, weil an jedem Haltebahnhof ein bisschen gefeiert wurde und der Bürgermeister begrüßt und hineingelassen werden musste. Alle trafen sich am Ende beim Empfang im Frankfurter Römer. Der andere TGV war um 14:00 in Frankfurt losgefahren.

Die modernen Hochgeschwindigkeitszüge, die auf der Strecke teilweise Tempo 320 fahren, markierten eine neue Ära: die erste Direktverbindung zwischen der Côte d'Azur und dem Rhein-Main-Gebiet.

Bei der Hauptfeier in Straßburg waren auch von Bahnchef Rüdiger Grube neue Töne zu hören: Er pflege die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit der französischen Staatsbahn SNCF, sagte er, und beide würden jetzt in Brüssel ihre Interessen gemeinsam vertreten.

Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte da andere Töne angeschlagen, auch wenn die erste, inzwischen sehr erfolgreiche Schienen- Schnellverbindung von Frankfurt und Stuttgart nach Paris 2007 in seine Ägide fällt. Immer wieder hatte Mehdorn sich über die mangelhafte Marktöffnung in Frankreich beschwert.

Grube sieht sich dagegen ebenso wie sein "Freund", wie er betonte, der SNCF-Chef Guillaume Pepy, ständigen Verdächtigungen seitens der EU gegenüber: Man würde es mit dem Wettbewerb auf der Schiene nicht so genau nehmen, und die großen Konzerne seien deshalb in mehrere kleine aufzuteilen - besonders Netz und Betrieb.

Dagegen wollen Grube und Pepy nun angehen. Gemeinsam repräsentieren sie fast noch mehr Macht in der europäischen Schienenbranche als Angela Merkel und Nicholas Sarkozy in der Politik. Ganz nebenbei haben sie auch noch die Schweiz hinter sich.
Ein neues Europa der Eisenbahnen

Grube und SNCF-Vorstandsmitglied Barbara Dalimard beschworen ein neues Europa der Eisenbahnen. Für Frankreich bedeutet die neue Verbindung fast einen Paradigmenwechsel: Eine Verbindung "von Provinz zu Provinz", wie Dalimard sich ausdrückte. Deshalb symbolisiert die Verbindung für sie auch einen weiteren Schritt zum Europa der Regionen. Daher müssen weder die Bewohner der Mainmetropole noch der Millionenstadt am Mittelmeer beleidigt sein: In Frankreich ist alles Provinz, was nicht Paris ist.

Die durchfahrenen Regionen können sich sehen lassen. Von der Hauptstadt des Euros geht es durch die Hauptstadt der französischen Küche (Lyon) an den "Balkon Europas nach Afrika", wie ein französischer Teilnehmer Marseille beschrieb. An der Strecke liegen quasi nebenbei Traumziele für Frankophile wie Avignon und Aix-en-Provence.

Wer Glück hat, kann die einfache Fahrt in der 2. Klasse für 39 Euro ("Europa-Spezial") erstehen. Der Normalpreis 2. Klasse hin und zurück beträgt etwa 280 Euro. Dazwischen liegen Sonderangebote in allen Preiskategorien, deren Verfügbarkeit von der Tageszeit abhängt. 12.000 Vorbuchungen haben die Bahnen schon registriert. Ob es innerhalb von fünf Jahren schon mehrere Millionen werden wie auf den Strecken von Stuttgart und Frankfurt nach Paris, darf dennoch bezweifelt werden. "Kaufen Sie ein Ticket", beschwor Grube die Zuhörer.

(dapd )


 


 

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