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Rückläufige Zugriffe auf Bezahldienst Flattr - taz testet freiwilliges Bezahlmodell

Sie ist schon seltsam, diese neue Web 2.0-Welt. Was früher das Treffen die Eckkneipe war, ist heute ein "Social Network" (Soziales Netzwerk), gespielt wird heute zwar weiterhin miteinander - allerdings Zuhause am jeweils eigenen Rechner; und auch die Partnersuche ist virtuell geworden. Am Kiosk wird zudem immer seltener die Zeitung gekauft - als Hoffnung galt vielen Web 2.0-Jüngern daher der freiwillige Bezahldienst Flattr aus Schweden. Dieser kämpft inzwischen allerdings selbst mit rückläufigen Nutzerzahlen und steuert gegen.


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Von Onur Yamac

Jeder Nutzer - soweit die Theorie - soll bei Flattr mit einem Klick selbst darüber entscheiden, ob er ein Medienangebot mitfinanziert oder nicht. Am Ende des jeweiligen Monats wird schließlich der Betrag, mit dem das Flattr-Konto des Nutzers zuvor aufgeladen worden ist, gleichmäßig auf alle geklickten Inhalte verteilt. Voraussetzung ist immer, dass das jeweilige Medienangebot selbst am Flattr-Dienst teilnimmt und einen Flattr-Button auf seiner Internetseite eingebaut hat. Ein Flattr-Nutzer kann somit nur einem anderen Flattr-Nutzer Geld zukommen lassen. 

Mindestaufladung entfällt

Eine Benachrichtigung per E-Mail, die die Flattr-Macher am Donnerstag verschickten, soll nun auch noch brach liegende Potenziale der Flattr-Community aktivieren. In dem Schreiben, welches business-on.de vorliegt, wird eine Änderung der bisherigen Bedingungen mitgeteilt. Demnach ist es ab sofort nicht mehr notwendig, zunächst sein eigenes Flattr-Konto mit mindestens 2 Euro aufzuladen, um am Dienst teilzunehmen.

Eben dies war von den Machern aber zunächst so gewollt, um die Community am Laufen zu halten. Blieb die Mindestaufladung von 2 Euro aus, wurde das Konto bislang bis zur nächsten Aufladung deaktiviert. Eben das entfällt nun. Wer nicht auflädt, kann somit weiter Flatter-Zuwendungen anderer Nutzer erhalten. Bereits seit Januar 2011 bietet der Dienst darüber hinaus einen "Donate"-Dienst an, bei dem Nutzer bis zu 50 Euro direkt für ein einzelnes Medienangebot spenden können. 

Hintergrund der jüngsten Intervention dürften die rückläufigen Nutzerzahlen des hoffnungsvoll gestarteten Bezahldienstes sein. Der mit einer Abweichung von 25 bis 30 Prozent recht zuverlässige Adplanner von Google registrierte im Monat März 160.000 Visits beim Internetangebot von Flattr. Das Gesamtangebot von business-on.de zählte dort im selben Zeitraum 240.000 Visits. Bei einem sog. Visit werden nicht die Klicks, sondern die Anzahl der tatsächlichen Besucher in einem standardisierten Verfahren einzeln gezählt.

taz.de testet freiwilliges Bezahlen

Bislang größter Nutznießer des freiwilligen Bezahldienstes dürfte neben dem Bildblog und Bloggern wie Stefan Niggemeier und Uwe Vetter (Law Blog) die in Berlin beiheimatete Tageszeitung (taz) sein, die mit ihrem Medienangebot taz.de im Oktober 2010 den Spitzenwert von 1.850 Euro einnehmen konnte. Seitdem sind die Einnahmen über Flattr allerdings wieder rückläufig und lagen Ende Januar 2011 bei 1.300 Euro.

Zwar decken die Einnahmen bislang bei weitem nicht die redaktionellen Kosten ab, jedoch experimentiert man bei der taz inzwischen auch mit einem freiwilligen Bezahlmodell, bei dem der Nutzer von der klassischen Überweisung, wie auch über Paypal und eine kostenpflichtige Handynummer Geld beim - wer es noch nicht wusste - genossenschaftlich organisierten Medienangebot lassen kann. Erste Erfahrungen konnte man hier bereits sammeln. Das streitbare Medienangebot verzeichnete dort im Zuge einer mehrtägigen Kampagne zuletzt Einnahmen von knapp 8.700 Euro.

Flattr: Bezahldienst für talentierte Blogger?

Die Zukunft des Flattr-Dienstes ist derweil unklar. Sollten die Macher den "Turnaround" schaffen, könnte Flattr sich womöglich in erster Linie als freiwilliger Bezahldienst für talentierte Blogger durchsetzen, denn wie ein kürzlich verfasster Eintrag im Hausblog der taz zeigt, ist auch Online-Journalismus - entgegen landläufiger Meinung - mit erheblichen Kostenaufwendungen verbunden. Flattr allein mag diesen Umstand nicht zu beheben. Dort muss man sich allerdings erst einmal mit der Steigerung der Nutzerzahlen beschäftigen.

Aktualisiert: 2.5.2011

(Red. / oy)


 


 

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