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Sprengsatz für die Eurozone

Was eine Pleite Griechenlands bedeuten würde

Das Schicksal Griechenlands steht "auf Messers Schneide", meint Finanzminister Evangelos Venizelos. Aber was würde geschehen, wenn die Rettung tatsächlich scheitert? Fragen und Antworten zur drohenden Pleite der Hellenen.

Von Tobias Schmidt

Wann kommt die Stunde der Wahrheit?

Antwort: Am 20. März muss Griechenland 14,5 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Wenn das zweite Rettungspaket bis dahin nicht beschlossen ist und wenn private Banken und Fonds nicht bis dahin ihre Anleihen umgetauscht haben, müsste die Regierung ihren Bankrott erklären. Die Vorbereitungen müssen nach griechischer Darstellung bis Mitte Februar abgeschlossen sein, um das Chaos noch abzuwenden.

Was hätte die Pleite für Folgen für die Eurozone?

Antwort: Bislang galt ein Staatsbankrott Athens als Sprengsatz für die Währungsunion. Denn in der Folge würden die Geldgeber auch von anderen Problemstaaten wie Portugal, Irland oder Spanien zu hohe Zinsen verlangen. Auch Italien könnte wieder kippen. Um das Risiko einzugehen, müsste die Währungsunion besser vorbereitet sein, meint Schuldenfachmann Guntram Wolff vom Thinktank Bruegel: "Ohne Euro-Bonds würde es nicht gehen."

Auch der Finanzsektor würde hart getroffen. Denn viele Banken haben nach wie vor viele Griechenland-Papiere, und bei einer Pleite würden sie auf dem Großteil des Wertes sitzen bleiben. "Die Zeit drängt, und für die Euro-Region steht viel auf dem Spiel", mahnt Kanzlerin Angela Merkel. Doch es gibt inzwischen andere Stimmen. Die niederländische EU-Kommissarin Neelie Kroes sagte am Dienstag, es sei "einfach nicht wahr", dass die Eurozone bei einem Ausstieg Athens auseinanderbrechen würde.

Was würde die Pleite für die Griechen bedeuten?

Antwort: Es gilt als ausgemacht, dass Athen dann aus der Eurozone rausfliegen würde. Mit katastrophalen Folgen: Ohne internationale Unterstützung könnte die Regierung bald Löhne und Gehälter nicht mehr zahlen. Damit die öffentliche Ordnung nicht zusammenbricht, würde der Betrieb von Polizei, Krankenhäusern und Gerichten aufrechterhalten. Die Bürger würden die Banken plündern und ihr Geld ins Ausland schaffen, der Kapitalmarkt drohte zu kollabieren. Durch die Wiedereinführung der Drachme und einer starken Abwertung könnte das Land zwar wieder wettbewerbsfähiger werden. Der Schock für die Wirtschaft und die notwendiger Rosskur für den öffentlichen Dienst wären aber härter als die gegenwärtigen Spar- und Reformauflagen aus Brüssel.

Warum erfüllt die Regierung dann nicht die Bedingungen für die rettenden Finanzspritzen der Europartner?

Antwort: Für den Chef der Griechenland-Taskforce, Horst Reichenbach, ist es eine verheerende Mischung aus Unvermögen und mangelndem Willen der Verantwortlichen. So fehlt für das effiziente Eintreiben von Steuern eine funktionierende Verwaltung. Die OECD hält 95 Prozent der Beamten für überflüssig und das Land für fast reformunfähig. Zur staatlichen Altlast kommt das politische Lavieren der Parteien. So erschwert der Chef der konservativen Partei Nea Demokratia, Antonis Samaras, dem ohnehin schwachen Ministerpräsidenten Lukas Papademos das Durchsetzen der Reformen. Er will sich so die Gunst seiner Landsleute für die anstehende Wahl sichern.

(dapd )


 


 

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