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Düsseldorf

Polizei räumt Occupy-Camp in der NRW-Landeshauptstadt

Bereitschaftspolizisten haben am Mittwochmorgen das Occupy-Camp in Düsseldorf geräumt. Zeitgleich mit dem Camp in Frankfurt am Main war in der NRW-Landeshauptstadt vom Ordnungsamt die Beendigung der Veranstaltung zum 31. Juli 2012 verfügt worden. Nur kurze Zeit nach dem Auslaufen der Frist rückte die Polizei an. Die Aktivisten hatten das Lager bis zuletzt nicht freiwillig aufgeben wollen.

Von Onur Yamac

Vis-a-vis zum NRW-Justizministerium campierten bereits seit dem Herbst 2011 mehrere Dutzend Aktivisten auf dem Martin-Luther-Platz in Düsseldorf, der auch in Sichtweite der NRW-Landeszentralbank und der Industrie- und Handelskammer liegt.

Die Occupy-Bewegung wendet sich gegen die Macht der Finanzmärkte und soziale Ungerechtigkeiten. Camps finden weltweit statt. In Düsseldorf hatte man bereits mit Beginn der Aktion im Oktober 2011 Unterstützung vom Pfarrer der benachbarten Johanneskirche bekommen, auch Dixi-Klos waren eigens aufgestellt worden. Probleme mit dem gegenüberliegenden NRW-Justizministerium habe es nicht gegeben, so ein Teilnehmer, der am Dienstagabend sogleich eine Dreivierteljahresbilanz zog: "Da scheint auch nicht so viel los zu sein." 

Stadt Düsseldorf ingorierte Kontaktaufnahme

Am Dienstagabend wurden vor Ort mit Gaskochern Bratkartoffeln zubereitet und Kaffee gekocht, auch einzelne Kinder spielten auf dem Gelände, während sich andere Camp-Teilnehmer wiederum in kleineren Grüppchen zusammenfanden und Gespräche führten - schließlich stand am Dienstag die Räumung unmittelbar bevor. Das Teilnehmerfeld stellte sich allerdings für Außenstehende unerwartet uneinheitlich dar und reichte vom linksalternativen Spektrum bis hin zur attraktiven Studentin. Im Vorfeld des Fristendes hatten die Bewohner des Camps Barrikaden um das Lager herum errichtet. Dennoch: Im Inneren von Aggressivität keine Spur.

Die Düsseldorfer Occupy-Aktivisten hatten bis zuletzt noch versucht, die Räumung ihres Camps zu verhindern. Das Ordnungsamt der Stadt Düsseldorf hatte nach Angaben eines Teilnehmers allerdings entsprechende Anfragen ebenso wie Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) ignoriert. Das Düsseldorfer Ordnungsamt hält die Besetzung des öffentlichen Platzes nach eigenem Bekunden für illegal. Zeitgleich mit der Düsseldorfer Räumungsverfügung hat man auch in Frankfurt am Main eine Frist zur Räumung bis zum 31. Juli gesetzt. 

"Du, Polizist - wir kämpfen auch für Dich"

Während am Mittwochmorgen in Düsseldorf Bereitschaftspolizisten mit Plastik-Schutzschildern anrückten und die Barrikaden einrissen, um das Occupy-Camp zu räumen, gibt es laut einem Bericht von Spiegel-Online in der Finanzmetropole Frankfurt noch keine endgültige Festlegung, wann eine Räumung erfolgen wird. Schließlich wird das Anliegen der Protest-Camper im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise nicht überall nur negativ gesehen. Womöglich hat man in der NRW-Landeshauptstadt auch deshalb ein Transparent an den Barrikaden angebracht, auf dem zu lesen war: "Du, Polizist - wir kämpfen auch für Dich." Am Mittwochmorgen rissen Bereitschaftspolizisten selbiges weg.

Wie es nach der Räumung weitergeht, konnte man am Dienstagabend in Düsseldorf noch nicht sagen. In Münster habe man in Absprache mit Stadt und Polizei eine Einigung darüber erzielt, statt des permanenten Occupy-Camps einen Mahnwache einzurichten, so einer der Teilnehmer. Man wolle sich aber auch in Düsseldorf weiter treffen, falls es zur Räumung käme, hieß es am Dienstag weiter. Und schließlich gebe es in Düsseldorf ja auch noch mehr Plätze. Nach der Räumung durch die Polizei ist das Lager am Martin-Luther-Platz vorerst Geschichte. Doch wie hieß es am Dienstagabend auf einem weiteren angebrachten Transparent frei nach Bertolt Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft hat schon verloren."

(FN)


 


 

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