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Hintergrund

Der Rechtsstreit um die gescheiterte VW-Übernahme durch Porsche

Der gescheiterte Versuch der VW-Übernahme durch den ungleich kleineren Sportwagenhersteller Porsche hat womöglich ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen drei Porsche-Manager.


Der Sportwagenhersteller hatte 2008 versucht, den Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Doch die Zuffenhausener übernahmen sich. Inzwischen streben VW und Porsche eine Verschmelzung an. Doch Klagen in den USA und Deutschland verzögern das Vorhaben. Hier eine Chronik des Übernahmekampfes und der daraus entstandenen rechtlichen Folgen.

25. September 2005: Porsche beteiligt sich mit rund 20 Prozent an VW. Porsche begründet den Einstieg mit gemeinsamen Projekten beider Firmen wie etwa dem Bau des Geländewagens Cayenne.

16. September 2008: Porsche übernimmt die Kontrolle bei Volkswagen. Mit der Aufstockung der VW-Anteile auf 35,14 Prozent erlangen die Stuttgarter die faktische Kontrolle über Europas größten Fahrzeughersteller.

26. Oktober 2008: Porsche kündigt an, seinen Anteil an VW im Jahr 2008 auf 50 Prozent und im Jahr 2009 auf 75 Prozent aufstocken zu wollen und einen Beherrschungsvertrag anzustreben. Der Sportwagenbauer hält zu diesem Zeitpunkt 42,6 Prozent der VW-Stammaktien sowie zusätzliche 31,5 Prozent in Optionen.

25. März 2009: Porsche sichert sich zur Aufstockung seiner Anteile bei Volkswagen eine neue Kreditlinie von zehn Milliarden Euro. Der Kreditrahmenvertrag erlaubt sogar ein Volumen von 12,5 Milliarden Euro.

6. Mai 2009: Nach einem Treffen der Eigentümerfamilien verzichtet der überschuldete Sportwagenbauer auf eine Übernahme von Volkswagen und will mit dem Wolfsburger Unternehmen stattdessen einen gemeinsamen Konzern gründen.

23. Juli 2009: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verlässt das Unternehmen. Seine Nachfolge bei der Porsche AG tritt der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht an. Der Porsche- Aufsichtsrat beschließt eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro. Ziel sei es, die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus Porsche und Volkswagen zu schaffen.

20. August 2009: Die Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume des Sportwagenherstellers in Stuttgart-Zuffenhausen. Ermittelt wird gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wiedeking und den ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Später kam heraus, dass auch Privaträume der beiden Manager durchsucht wurden. Zudem gab es Durchsuchungen bei der Maple Bank in Frankfurt, über die Porsche den Einstieg beim VW-Konzern abwickelte.

25. Januar 2010: Eine Gruppe von Investmentfonds reicht bei einem Bundesgericht in New York Klage gegen die Porsche Automobil Holding sowie Wiedeking und Härter ein. Sie werfen Porsche vor, im Zuge der versuchten Übernahme von Volkswagen die Investoren getäuscht und belogen zu haben und fordern Schadenersatz für entstandene Verluste von mehr als zwei Milliarden Dollar.

30. Januar 2010: Einem Medienbericht zufolge bereitet die Kanzlei CLLB aus München für mehrere institutionelle Investoren auch hierzulande Klagen vor. Der Streitwert soll im dreistelligen Millionenbereich liegen.

29. April 2010: Weitere Investoren schließen sich der Klage in den USA an. Insgesamt beteiligen sich nun 35 Investoren.

31. August 2010: Porsche stellt einen Antrag auf Abweisung der Klage beim New Yorker Gericht.

17. November 2010: Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Klage zweier Aktionäre gegen die Beschlüsse der Porsche-Hauptversammlung 2009 abgewiesen und damit ein Urteil des Landgerichts bestätigt. Nach Ansicht der Kläger wurden die Aktionäre nicht ausreichend über riskante Wertpapiergeschäfte im Zuge der damals geplanten VW-Übernahme informiert.

30. Dezember 2010: Das New Yorker Gericht weist die Sammelklage in erster Instanz ab.

8. Januar 2011: Einem Medienbericht zufolge hat Christoph von Arnim von der Berliner Anwaltskanzlei FPS beim Landgericht Stuttgart Klage gegen Porsche und die Maple Bank eingereicht. Der Anwalt fordert für einen Mandanten Schadenersatz in Höhe von 3,1 Millionen Euro.

17. Mai 2011: Erneut weist das Landgericht Stuttgart eine Klage gegen einen Beschluss der Hauptversammlung 2009 ab. Eine Klägerin wandte sich gegen die Entscheidung, den Aufsichtsrat zu entlasten. Ihrer Auffassung nach hatte er seine Pflichten verletzt.

2. August 2011: Porsche teilt mit, die Wahrscheinlichkeit einer Verschmelzung noch im selben Jahr liege bei 50 Prozent.

8. September 2011: VW und Porsche teilen mit, dass die angestrebte Verschmelzung bis Ende des Jahres wegen der anhängigen Klagen nicht zu erreichen sei.

9. September 2011: Einem Medienbericht zufolge hat die Kanzlei CLLB ihre Klage beim Landgericht Braunschweig eingereicht. Darin gehe es um Schadenersatz in Höhe von knapp 1,1 Milliarden von VW und Porsche.

6. März 2011: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilt mit, dass sie gegen drei Porsche-Manager Anklage wegen des Verdachts des Kreditbetrugs erhoben hat. Zu ihnen gehört auch der frühere Finanzvorstand Holger Härter. Die Anklagebehörde wirft den drei Verantwortlichen aus dem Finanzbereich der Porsche Automobil Holding vor, bei Kreditverhandlungen mit Banken falsche Angaben über die von Porsche gehaltenen Optionen auf VW-Stammaktien gemacht zu haben.

(dapd )


 


 

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