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  • 12.11.2011, 21:11 Uhr
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Oldenburg

Ein Rathaus voller Narren

Um 11:11 Uhr sind am Freitag in Weser-Ems wieder traditionell die Rathäuser von den Jecken gestürmt worden. Mit der Übergabe der Rathausschlüssel wurde zugleich die fünfte Jahreszeit eingeläutet. In einer Stadt haben es die Jecken derzeit besonders schwer: Oldenburg. business-on.de war für Sie vor Ort.

Von Onur Yamac

Alleine schon das Datum ist ein Kuriosum. Es reichte der reichweitenstarken Bild-Zeitung am Freitag, um eine ganze Titelseite damit zu schmücken: 11.11.11 Beste Voraussetzungen also für die Jecken, um bundesweit die Rathäuser zu stürmen. Tatsächlich zeigte sich auch Petrus gnädig und ließ in Weser-Ems trotz der Kälte der vergangenen Wochen einen Tag lang die Sonne für die Jecken scheinen.

Punkt 11:00 Uhr am Oldenburger Rathaus. Karnevalsprinz Hanfred X. drängt sich samt Entourage und Musikkapelle in das Treppenhaus des altehrwürdigen Hauses. Die Musikkulisse ist angenehm. Alles scheint perfekt von den Karnevalisten des Vereins Blau-Rot Oldenburg organisert worden zu sein. Denkste.

Haase thematisiert Asylbewerber und Wohnungsnot

Was viele zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen: die vierköpfige Musikkapelle besteht aus Bulgaren. Und die sind von den Jecken kurzfristig auf dem Weg zum Rathaus am Lefferseck in der Fußgängerzone  engagiert worden, nachdem zuvor der eigentliche Spielmannszug ausgefallen war. Die Globalisierung macht auch vor dem Karneval nicht Halt. Die bulgarischen Musiker sind allerdings so gut, dass es niemandem aufgefallen, wenn es nicht jemand beiläufig erwähnt hätte. 

Im Treppenhaus klicken Kameras, auch ein Filmteam ist anwesend. Dann wird es tiefgründung: Präsident Geert Haase spricht von den Asylbewerbern, die in der Stadt untergebracht werden. Diese müssten mit offenen Armen empfangen werden. Man wolle, dass sich jeder in Oldenburg wohlfühle. Auch die große Wohnungsnot bei den Studenten erwähnt er. Aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs ist die Nachfrage nach kleinen Appartments und Zimmern tatsächlich ungebrochen. Dann geht es weiter in die Fraktionsgeschäftstselle der SPD im Oldenburger Rathaus. Dort erwartet kurz vor 11:11 Uhr bereits SPD-Fraktionschef Bernd Bischoff gemeinsam mit Oldenburgs 2. Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler die Jecken. 

Stadtverwaltung hört Karnevalshochburgen am Rhein ab

Anders als in anderen Städten, hatte sich der Oldenburger OB Gerd Schwandner (parteilos) vor einigen Jahren aus der Verantwortung für das bekannte Ritual gezogen. Das hinderte die Oldenburger Stadtverwaltung allerdings nicht, während der Karnevalstage die Köln-Bonn-Aachener Jecken abzuhören. Dort übernimmt man seit mehreren Jahren den Call-Center-Betrieb der Karnevalshochburgen am Rhein (business-on.de berichtete). Daher war das "Alaaf!" und "Helau!" bislang nur schwer aus den Amtssuben der Stadtverwaltung zu kriegen.

Im 25 Jubiläumsjahr des Karnevalsvereins Blau-Rot Oldenburg, gab sich auch Schwandner einen Ruck. Er will sich am 3 Dezember "in die Höhle des Löwen" wagen und bei einem Gala-Abend im Oldenburger Stadthotel ein Grußwort sprechen. Vielleicht hatten zu dem Sinneswandel auch die Friedensengel ihren Beitrag geleistet, die die Jecken von Blau-Rot Oldenburg diesmal mitgebracht haben.

Bürgermeisterin übergibt den Rathausschlüssel

Um beinahe Punkt 11:11 Uhr wird schließlich der Schlüssel zum Rathaus von Oldenburgs Bürgermeisterin Eilers-Dörfler an Prinz Hanfred X. übergeben. Ausgerechnet am "heiligen" Datum des 11.11.11 Oldenburger Prinz sein zu dürfen, ist für den Sohn einer Kölnerin "das schönste, was es gibt." Doch Prinz Hanfred hat zeitgleich noch ein weiteres Jubiläum zu feiern. Bereits seit 22 Jahren ist er im Karnevalsverein Blau-Rot Oldenburg aktiv - 2 mal 11 Jahre, wie er am Freitag schmunzelnd hinzufügt. Im normalen Leben arbeitet er in der Oldenburger Weser-Ems Halle.

Und so macht sich nach dem freundlichen und gelungenen Empfang im Oldenburger Rathaus Vorfreude breit. "Vielleicht kann der Schwandner-Besuch der Anfang eines freundschaftlichen Dialogs sein", so ein Sprecher des Karnevalsvereins in Anspielung auf den OB-Besuch am 3. Dezember. Man wolle nicht bis  zum Ende von Schwandners Amtszeit im Jahr 2014 nur Theater haben. "Wir lassen auf jeden Fall nicht locker und bleiben mit närrischem Frohsinn bei der Sache," heißt es weiter von den Oldenburger Jecken. Und wer weiß: vielleicht nimmt der Hausherr nach den Rosenmontagsfestivitäten 2012 in einem ersten Schritt den Schlüssel zum Rathaus ja immerhin schonmal wieder in Empfang.

(Red. / oy)


 


 

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