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Nach Brüsseler Gipfel

Märkte warten auf Rating-Urteil von S&P

Die Drohung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Euro-Partner im Falle eines Scheiterns des Brüsseler Gipfels herabzustufen, hängt wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Entsprechend aufmerksam werden die kleinsten Bewegungen an den Börsen verfolgt. Klar scheint, dass auch die S&P-Wettbewerber Moody's und Fitch nachziehen würden.

Von Roman Keßler

"Insbesondere die Entscheidung der Ratingagentur S&P birgt eine hohe Unsicherheit für die Märkte", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Die Ratingagentur sieht in den deutsch-französischen Vorschlägen 'vielversprechende' Zeichen in die richtige Richtung. Die Gefahr von baldigen Herabstufungen mehrerer Euroländer dürfte damit aber nicht vom Tisch sein."

S&P hatte in dieser Woche angekündigt, die Mehrheit der Euro-Länder auf ihre Kreditwürdigkeit zu überprüfen. Deutschland läuft damit Gefahr, bald sein AAA-Top- Rating zu verlieren. Von der Herabstufung wären nicht nur die Staaten selbst betroffen. Sogar die Deutsche Flugsicherung, die Förderbank KfW und andere staatliche Einrichtungen sind gefährdet. Durch eine Herabstufung dürfte es teurer werden, an das Geld privater Gläubiger zu kommen.

"So wie es momentan aussieht, werden wir in der kommenden Woche die angekündigte Herunterstufung von 15 Euro-Staaten sehen", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Der deutsche Leitindex DAX konnte am Freitag dennoch fast zwei Prozent auf etwas unter 6.000 Punkte zulegen.

S&P: Keinen Einfluss auf Verhandlungen nehmen

Eine Sprecherin von S&P wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd nicht zu den neuen Entwicklungen äußern. "Wir wollen keinen Einfluss auf die Verhandlungen nehmen", sagte sie. Ein Rating-Ausschuss werde zusammentreten und die Brüsseler Beschlüsse betrachten. S&P hatte in dieser Woche viel Kritik geerntet. Der amerikanischen Agentur war von prominenten Volkswirten vorgeworfen worden, mit einer offenen Drohung gezielt auf den EU-Gipfel Einfluss nehmen zu wollen.

Aus Sicht des Wirtschaftsprofessors Bert Rürup hat die S&P-Ankündigung den Druck erhöht, eine Fiskalunion zu beschließen, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorgeschlagen hatten. Diese Rechnung könnte aufgehen, denn bis auf Großbritannien wollen 23 der 27 EU-Länder mitmachen. Drei weitere wollen erst ihre Parlamente fragen, signalisierten aber Zustimmung.

Nach Einschätzung des Verbandes der Familienunternehmer ist Merkel auf dem richtigen Weg. Automatische Sanktionen und die Absage an Euro-Bonds seien "wichtige Schritte zu einer solideren Haushaltspolitik in Europa", sagte Verbandschef Lutz Goebel.

Nicht alle sind jedoch zufrieden. Die globalisierungskritische Organisation Attac kritisierte die Pläne, weil sie zu starken Einsparungen führen könnten. Dies könnte wiederum weniger Wachstum bedeuten. "Das Ergebnis ist ein Desaster", sagte Alexis Passadakis vom bundesweiten Attac-Rat. "Die Beschlüsse zu einer Fiskalunion bringen die europäischen Staaten dauerhaft auf einen Rezessionskurs. Das wird die ökonomische und soziale Spaltung Europas vertiefen."

(dapd )


 


 

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