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Gründer der Schieder-Gruppe zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Wegen Kreditbetrugs muss der Gründer des ehemals größten Möbelunternehmens Europas, der Schieder-Gruppe, dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Seinen ehemaligen Geschäftsführer verurteilte das Landgericht Detmold am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Richter folgten damit weitgehend den Anträgen der Verteidigung, blieben jedoch deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte am Vortag Strafen von mehr als vier Jahren für Firmengründer Rolf Demuth und die weitere Führungsspitze des Konzerns gefordert.

Von Sven Stemmer

Die Mitangeklagten, der ehemalige Chefcontroller und ein weiterer Geschäftsführer des Unternehmens, wurden wegen Beihilfe zum Kreditbetrug jeweils zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Unternehmensführung war angeklagt, weil sie in den Jahren 2005 und 2006 in verschiedenen Unternehmen des Konzerns durch Scheinbestände und Überbewertungen in Höhe von jeweils etwa 20 Millionen Euro die Bilanzen verfälscht hatte. Auf Basis dieser Bilanzen wurden dann bei verschiedenen großen Banken Kredite in dreistelliger Millionenhöhe beantragt, um einen großen Finanzierungsbedarf zu decken.

Unternehmen mit Privatvermögen unterstützt

Allein die Höhe dieser Summe rechtfertige die Freiheitsstrafen, hieß es in der Urteilsbegründung. Für den Vorsitzenden Richter Michael Reineke war es jedoch offensichtlich, dass die Angeklagten nicht die Absicht hatten, die Banken zu schädigen. Sie hätten nie einen Zweifel daran gehabt, die Kredite bedienen zu können.
"Keine Bande von Schurken"

So hätten die Angeklagten nicht als Bande von Schurken gehandelt, sondern um das Überleben der Firma und den Erhalt der 11.000 Arbeitsplätze gekämpft. Es sei nie Geld in private Taschen geflossen, sagte Reineke. Vielmehr habe Demuth den Konzern sogar mit einer zweistelligen Millionensumme aus seinem Privatvermögen unterstützt.

Richter: Banken war Risiko bewusst

Auch von einer arglistigen Täuschung der Banken könne nicht ausgegangen werden, hieß es in der Urteilsbegründung weiter. Den Kreditinstituten, die Schlange gestanden hätten, um sich bei Schieder zu engagieren, sei durch Informationen etwa von Rankingagenturen oder Fachblättern das Risiko durchaus bewusst gewesen. Außerdem sei "in der Zeit der unsicheren Kreditgeschäfte" ein gewisser "Risikoappetit" durchaus sehr verbreitet gewesen, sagte der Richter zur Rolle der Banken.

Gleichwohl hätten die Schieder-Manager wissentlich falsche Angaben zur Konzernbilanz gemacht. Diese hätten das Vertrauen in das Unternehmen geschwächt und die Insolvenz zwar nicht verursacht, aber doch begünstigt.

(dapd )


 


 

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