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Niedersachsen

"Schmallenberg-Virus" breitet sich immer weiter in Weser-Ems aus

Seit September 2011 stellten rund 40 landwirtschaftliche Betriebe mit Rinderhaltung in NRW fest, dass ihre Milchkühe erhebliche Leistungseinbrüche aufwiesen und über eine Woche fieberhaft erkrankten. Eine Diagnose dafür gab es allerdings nicht. Das eingeschaltete Landesamt für Natur, Umwelt, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW schaltete daraufhin das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in Greifswald ein. Dort gehen die Forscher von einem exotischen Virusstamm aus. Dieser wird aktuell auch in Weser-Ems immer wieder nachgewiesen.

Das in Greifswald beheimatete Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit machte im Oktober 2011 ein sog. Orthobunya-Virus als mögliche Ursache aus. Die Forscher tauften es vorläufig "Schmallenberg-Virus" Als ab Dezember 2011 vermehrt totgeborene oder lebensschwache, missgebildete Lämmer zur Obduktion an die Veterinärinstitute des Nds. Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) eingesandt wurden, konnte man den molekularbiologischen Nachwies erbringen, dass es sich um die selbe Ursache wie im benachbarten NRW handelte.

In Deutschland wurde bislang bei Tieren aus 280 Betrieben das „Schmallenberg-Virus“ festgestellt. Das Virus verursacht Aborte, Lebensschwäche und Missbildungen bei Lämmern. Eine Erkrankung geht ebenfalls einher mit einem gestörten Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit, starkem Milchrückgang und Fieber - teilweise zusammen mit Durchfällen.

40 Schafherden in Niedersachsen betroffen

Betroffen waren nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) bis zum Freitag deutschlandweit 7 Rinder-, 263 Schaf- und 10 Ziegenhaltungen. Die Fälle traten u.a. in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (5 Rinder-, 151 Schaf-, 5 Ziegenhaltungen), Niedersachsen (1 Rinder-, 40 Schaf-, 2 Ziegenhaltungen), Schleswig-Holstein (23 Schafhaltungen) und Hamburg (2 Schafhaltungen) auf. Die landwirtschaftlich stark bewirtschaftete Weser-Ems-Region weist mit 22 Fällen die höchste Fallzahl in Niedersachsen auf.

Auch die Niederlande, Belgien, Großbritannien und Frankreich melden Fälle, dort hauptsächlich bei Schafen. Die Gesundheitsbehörden der Niederlanden und Belgien hatten erst kürzlich eine auffällig hohe Rate totgeborener oder lebensschwacher, missgebildeter Schaflämmer registriert. In beiden Ländern konnte das „Schmallenberg-Virus" nachgewiesen werden.

Meldepflicht für  Deutschland kommt

Auf der Sitzung des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit am 11. Januar 2012 wurde die Situation der Schmallenberg-Virusinfekionen von der EU-Kommission mit den Mitgliedstaaten erörtert.  Deutschland will kurzfristig eine Meldepflicht für Infektionen mit dem Virus einführen, um einen besseren Überblick zu gewinnen. Womöglich sind auch Tiere in landwirtschaftlichen Betrieben betroffen, die den Behörden bislang noch gar nicht bekannt geworden sind. Daher sollen alle neuen Fälle möglichst ab sofort über das elektronische Tierseuchen-Nachrichtensystem (TSN) von den Ländern und deren Behörden gemeldet werden.

Betroffene Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter oder die betreuenden Hoftierärzte werden zudem darum gebeten, das Auftreten missgebildeter Kälber und Lämmer ihrem zuständigen Veterinäramt zu melden.

Forscher arbeiten an Impfstoff

Die Untersuchungen auf das "Schmallenberg-Virus"  konnten bislang nur im im FLI stattfinden. Die Nachweismethode wurde aber inzwischen auch an die die Veterinärinstitute des LAVES in Niedersachsen, andere Landesbehörden und Institutionen in anderen europäischen Ländern weitergegeben. Dort kann der Nachweis ab sofort erbracht werden. Für die Diagnose „Schmallenberg-Virus" müssen die Landwirte ganze Tierkörper oder abgetrennte Schädel an die Untersuchungseinrichtungen einsenden.

Da das Virus nach bisherigen Erkenntnissen der FLI-Forscher nicht von Tier zu Tier, sondern über Mückenstiche übertragen wird, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass aufgrund der kalten Außentemperaturen derzeit keine Neuinfektionen erfolgen. Die bekannt gewordenen Missbildungen an neugeborenen Tieren gehen demnach zurück auf Infektionen, die zeitlich im vergangenen Jahr erfolgt sein müssen. Für den Menschen stellen sie keine Gefahr dar. Beim FLI arbeitet man derzeit mit Hochdruck an einem Impfstoff für Tiere. Die Entwicklung könne sich allerdings noch über mehrere Monate hinziehen heißt es in Greifswald.

Aktualisiert: 7.2.2012

(Red. / oy)


 


 

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