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Universität Oldenburg

Bekannter Migrationsforscher Rolf Meinhardt verstorben

Unter prominenter Beteiligung von Ministerpräsident Christian Wulff und der Integrationsbeauftragten des Bundes, Maria Böhmer, tagte Ende April die Bundesintegrationskonferenz in Oldenburg. Vor den rund 300 angereisten Delegierten präsentierte sich auch die Universität Oldenburg mit ihrem Zugpferd Prof. Dr. Rolf Meinhardt vom Interdiszipliären Zentrum für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen (IBKM). Für den 68-Jährigen war es tragischer Weise sein letzter Auftritt.

Am zweiten Tag der Konferenz erlitt Meinhardt bei einer Diskussionsrunde einen Herzinfarkt und sackte zusammen. Sogleich herbei eilte der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls anwesende Oldenburger OB Gerd Schwandner. Der vormalige Chirug konnte Meinhardt u.a dank eines im Gebäude befindlichen Defibrillators reanimieren, während die Konferenz vorzeitig beendet wurde.

Der angesehene Wissenschaftler wurde wenig später in eine Klinik eingeliefert. Dennoch verstarb er dort in der Nacht von Christi Himmelfahrt auf Freitag an den Folgen des schweren Infarkts.

Kittel: Universität trauert

„Die Universität trauert um einen Wissenschaftler, der sich mit seiner ganzen Kraft dafür eingesetzt hat, hochqualifizierten Einwanderern in Deutschland eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen“, so Universitätsprofessor Dr. Bernhard Kittel am Freitag. Meinhardt habe früh erkannt, dass Deutschland es sich nicht leisten könne, das Potenzial der Zuwanderer ungenutzt zu lassen. Seiner Initiative sei es zu verdanken, dass die Universität durch die Schaffung spezieller Studiengänge und Qualifizierungsangebote für Migranten europaweit eine Vorreiterrolle übernommen habe.

„Die Universität trauert um einen Wissenschaftler, der sich mit seiner ganzen Kraft dafür eingesetzt hat, hochqualifizierten Einwanderern in Deutschland eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen: " (Dekan Dr. Bernhard Kittel)

Meinhardt studierte von 1964 bis 1967 an der Pädagogischen Hochschule Oldenburg und war als Lehrer an Grund- und Hauptschulen und dann als Wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule Braunschweig tätig. 1978 promovierte er an der Universität Göttingen und kam 1983 als Hochschulassistent an die Universität Oldenburg, wo er sich 1987 habilitierte. 1992 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Migration: Meinhardt war gefragter Experte

Bereits in den 1980er Jahren führte Meinhardt Untersuchungen zur Qualifizierung von Studierenden aus Ländern der Dritten Welt durch. 1991 übernahm er die Leitung des landesweiten Projekts „Flüchtlingssozialarbeit in Niedersachsen“.

Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene war Meinhardt ein gefragter Experte für Integrationsfragen. So leitete er u.a. die Koordinierungsstelle des Programms „Kooperative Migrationsarbeit in Niedersachsen“ zur Förderung der landesweiten Zusammenarbeit und Vernetzung von Integrationsangeboten.

An der Universität Oldenburg war Meinhardt viele Jahre lang Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen (IBKM). Neben einer akademischen Weiterbildung für höher qualifizierte Flüchtlinge initiierte er den europaweit ersten weiterbildenden Bachelor-Studiengang „Interkulturelle Bildung und Beratung“, der sich speziell an Zugewanderte mit pädagogischer, sozialpädagogischer oder sozialwissenschaftlicher Grundausbildung richtet. 2009 folgte in Zusammenarbeit mit dem Department für Informatik das Studienprogramm „Informatik für Migranten und Migrantinnen“, das ebenfalls ein europaweit beispielloses Lehrangebot bietet.

IBKM wird kommissarisch geleitet

„Rolf Meinhardt war als kluger Ratgeber hoch geschätzt. Er wird uns allen sehr fehlen“, so Winfried Schulz-Kaempf vom IBKM. An der Universität hatten viele nach Meinhardts Herzinfarkt noch an seine Genesung geglaubt, ehe sie die Hiobsbotschaft am Freitag erreichte. Die kommissarische Leitung des IBKM hat Schulz-Kaempf übernommen.

(Redaktion)


 


 

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