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Ruinöser Preiskampf mit Fernost

Deutsche Solarbranche kämpft gegen die Krise

Die deutsche Solarwirtschaft stemmt sich mit allen Mitteln gegen ihren Niedergang und klammert sich in ihrer Not an jeden Strohhalm. Nach der Entscheidung der EU-Kommission, angeblich illegale Billigimporte aus China zu überprüfen, hofft die hiesige Branche auf Strafzölle für die Wettbewerber aus Fernost. Denn vor allem den ruinösen Preiskampf mit der Konkurrenz aus Asien macht sie - neben den Förderkürzungen durch die Bundesregierung - verantwortlich für die lange Reihe von Firmenpleiten hierzulande.

Ob Solar Millennium, Solon, Solarhybrid, Sovello oder Q-Cells - die Liste der insolventen deutschen Solarfirmen wird immer länger. Viele Unternehmen kämpfen um ihr Überleben.

Die angeschlagene Phoenix Solar konnte im ersten Halbjahr die Verluste lediglich eindämmen. Auch für das Gesamtjahr erwartet die Firma aus dem bayerischen Sulzemoos rote Zahlen. Erst vor ein paar Monaten hatte sich Phoenix Solar neue Kredite bis zum Frühjahr 2014 gesichert und einen Umbau eingeleitet.

Die SMA Solar aus dem hessischen Niestetal blieb trotz eines Gewinneinbruchs in den ersten sechs Monaten immerhin noch in den schwarzen Zahlen. Damit stand der Hersteller von Wechselrichtern für Solaranlagen besser da als der Großteil der heimischen Branche.

Selbst der deutsche Branchenprimus Solarworld aus Bonn schwächelt und hat angesichts von Verlusten einen massiven Stellenabbau angekündigt. "Wir durchleben stürmische Zeiten", schrieb Konzernchef und Groß aktionär Frank Asbeck kürzlich in einem Brief an die Anteilseigner. Er kündigte an, solange auf Gehalt und Dividende zu verzichten, "bis der Konzern wieder Gewinne schreibt".

Übernahme von Q-Cells gibt Branche neue Hoffnung

Angesichts ihrer derart desolaten Lage schöpft die deutsche Solarwirtschaft aus jeder halbwegs positiven Nachricht frischen Mut. Als Ende August der südkoreanische Hanwha-Konzern und die spanische Isofoton um die Übernahme von Q-Cells konkurrierten, werteten Fachleute das als Anzeichen für eine Wende zu Besseren. "Das ist ein Silberstreif am Horizont", sagte damals der Geschäftsführer der Branchenvereinigung Solar Valley Mitteldeutschland, Peter Frey.

Hanwha bekam letztlich den Zuschlag und will nun Q-Cells, einst ein Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarwirtschaft, in verkleinerter Form in sein Solargeschäft integrieren. Rund 1.250 von noch 1.550 Stellen bei der Firma aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt sollen erhalten bleiben.

Doch Branchenexperten sehen kein Ende der Krise, auch nicht durch das Verfahren der Brüsseler Kartellwächter gegen China. Die Antidumping-Debatte blende aus, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort für die Massenproduktion der Solarfirmen international nicht wettbewerbsfähig sei, erklärte Wolfgang Hummel, wissenschaftliche Direktor des Zentrums für Solarmarktforschung in Berlin. "Statt der Antidumping-Diskussion wäre eine Standort-Debatte zu führen", sagte er.

Zudem seien die kostengünstigen Solarmodule aus China ein wesentlicher Treiber der Nachfrage auf dem Weltmarkt. "Davon profitiert die gesamte Branche", sagte Hummel.

(dapd)


 


 

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