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Ruhrpott-Kumpel bauten im Emsland Kohle von den Dächern ab

Im Ruhrpott wird Kohle abgebaut - das weiß jedes Kind. Aber die Kumpel werden weniger. Offenbar fühlten sich dieser Tradition auch dieser Zeit noch drei Männer aus dem Pott verpflichtet. Überirdisch und modern per Ebay. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten gegen das Revier-Trio.

Bottrop ist eine Stadt im Herzen des Ruhrgebiets. Sie ist eine der wenigen Städte des Potts, in der es noch eine aktive Zeche gibt. Doch schon direkt neben dem Bergwerk Prosper Haniel ist der Strukturwandel in vollem Gange: nebenan, auf einer ehemaligen Bergbauhalde, steht das weltweit größte Alpincenter seiner Art und im Stadtteil Kirchhellen zeigt seit über zehn Jahren der Freizeitpark Movie Park Germany, wohin die Reise in der Region und auf dem Arbeitsmarkt geht. Über all dem thront Bottrops neues Wahrzeichen: der Tetraeder. Die auf einer renaturierten Bergbauhalde liegende Aussichtsplattform mit dem Aussehen einer skelletierten Pyramide ist seit 1995 beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Besucher.

Die Energiewende zu Nutze machen. Mit Kohle

Einige Kumpel hatten verstanden, dass es in Bottrop mit der Kohle zu Ende geht und man umdenken muss. Womöglich hatte einer etwas aufgeschnappt von diesen Erneuerbaren Energien aus Wasser, Wind und Sonne. "Alles total hip, Kohle braucht man irgendwann nicht mehr," mag einer geraunt haben. Seltsame neue Zeiten. Doch Kumpel bauen nun mal Kohle ab - das haben sie im Blut. Das mit dem Kohleabbau musste also weitergehen! Irgendwie. Die sich abzeichnende Energiewende wollte sich das Trio deshalb zu Nutze machen. Am besten mit Kohle. Denn davon verstanden sie alle etwas.

Da war sie die Kohle - auf Häusern

Nun muss man wissen, dass Bottrop den Wandel in der Stadt auf Broschüren und Plakaten mit dem Slogan "Erfrischend anders" auf den Punkt bringt. Den Wahlspruch nahmen sich die Kumpel offenbar zu Herzen und schmiedeten gemeinsam Pläne für ihre "erfrischend andere" Energiewende. Den Abbau von wertvollen Energieträgern, der ansonsten in großen Tiefen stattfindet, verlegten sie kurzerhand nach "über Tage", genauer gesagt auf Schul- und Hallendächer. Doch statt auf das schwarze Gold setzten sie - ganz zukunftsweisend - auf Solarmodule. Da war sie, die Kohle - auf Häusern, Schulen und Hallen. Und sie war bereit zum Abbau. Zuerst malochten die drei Kumpel im Ruhrgebiet, womöglich zwischendurch auch anderswo. Und zuletzt bauten sie im emsländischen Heede 70 Solarmodule von einem Hähnchenmaststall ab. Zumeist bei Dunkelheit, denn das gehört zur Kumpel-Ehre. Immer wieder hieß es deshalb wie in alten Zeiten: "Glück auf!"

Kohleförderung bei Ebay

Zum Problem entwickelte sich allerdings, dass anders als bei ihren großen Vorbildern keines der Abbaugebiete genehmigt war. Ihr Aufstieg auf den Hähnchenmaststall im Emsland sollte für die Männer deshalb unverhofft auch wieder den Ausstieg aus der Kohle bedeuten, denn auf die spätere Kohleförderung auf der Internet-Verkaufsplattform Ebay wurde die Konkurrenz von den Erneuerbaren Energien aufmerksam. Ein Solarmodulhändler informierte die Gesetzeshüter. Ziel war es, die Kumpel wieder aus ihrem eigenwilligen Energiegeschäft zu drängen. Auch Anwälte wurden eingeschaltet - Staatsanwälte. Danach ging alles ganz schnell. Die eingeschalteten Beamten der Polizei in Lingen schauten sich die Ebay-Kohleförderung der Jungs aus dem Ruhrgebiet genauer an und kamen der Truppe so schnell auf die Spur.

Durchsuchungen im Ruhrgebiet

Im Bericht der Gesetzeshüter aus dem Emsland heißt es später lapidar, dass man am 2. September "in Zusammenarbeit mit der Polizei in Recklinghausen [...] Wohnungen der Täter im Ruhrgebiet durchsucht" habe. Die Kumpel gaben allesamt zu. Mindestens zehn Mal waren sie seit 2007 zum illegalen Abbau losgezogen. Auf  Antrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück wurde Untersuchungshaft gegen zwei der Revier-Kumpel angeordnet. Der Haftbefehl gegen einen Bottroper wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Kohle-Kumpel beschäftigen Polizei weiter

Doch eins beschäftigt die Ermittler im Emsland weiter: seit Februar 2005 hat es in ihrem Zuständigkeitsbereich insgesamt 30 Diebstähle von über 700 Solarmodulen und Zubehör im Gesamtwert von weit über einer halben Million Euro gegeben. Die Ermittler schließen fest aus, dass es das selbe Trio war. Im Ruhrgebiet leben derweil mehr als 10 Mio. Menschen. Der Strukturwandel ist dort in vollem Gange, weitere Zechen und Stahlwerke werden in absehbarer Zeit dicht machen. Und die Ermittler wissen bereits jetzt, dass ihre verbliebenen Kohle-Kumpel da draußen in nicht allzu langer Zeit Konkurrenz bekommen werden. Es wird harte Maloche und Sisyphusarbeit für die Fahnder werden. Glück auf!

(Onur Yamac)


 


 

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