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"Dinosaurier des Jahres"

RWE-Chef erhält Negativ-Preis - und holt sich die Auszeichnung persönlich ab

Sportsgeist kann man RWE-Chef Jürgen Großmann nicht absprechen: Er erschien persönlich, um sich den berühmtesten Schmähpreis im Umweltbereich abzuholen, den "Dinosaurier des Jahres 2010", ausgelobt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Der Auseinandersetzung mit dem Umweltverband versuchte der Konzernvorstand erst gar nicht zu entkommen. Angesichts der Katastrophe von Fukushima ging es um die Zukunft der Kernenergie - und Großmann stellte klar: "Das Spiel ist zu Ende, wenn es abgepfiffen ist."

Von Katrin Aue

Damit waren die Fronten abgesteckt zwischen Olaf Tschimpke, NABU-Präsident, und Großmann, RWE-Vorstandsvorsitzender und als solcher verantwortlich für die Klage gegen die Bundesregierung wegen der vorübergehenden Abschaltung der Atomkraftwerke Biblis A und B.

"Wir verleihen Ihnen den Dinosaurier, weil Sie aus unserer Sicht bei der Aufkündigung des Atomkonsenses auf hemmungslose Art die Politik beeinflusst haben", erklärte Tschimpke. RWE hatte, wie die anderen großen Energieunternehmen, im Jahr 2000 die Vereinbarung zum Atomausstieg unterschrieben. Im vergangenen Jahr habe Großmann nun der Bundesregierung die Laufzeitverlängerung schmackhaft gemacht - mittels Lobbyarbeit. "Durch den Atomausstieg wurde der gesellschaftliche Konflikt wieder neu aufgerissen", warf Tschimpke dem Preisträger vor.

"Die Dinosaurier haben die Welt 165 Millionen Jahre regiert"

Doch der konterte lässig. "Dino" sei - aufgrund seiner eher massigen Statur - schon im Studium sein Spitzname gewesen, und überhaupt: "Die Dinosaurier haben die Welt 165 Millionen Jahre regiert, dagegen ist der Mensch eine Eintagsfliege."

Gegen die inhaltlichen Vorwürfe wehrte sich Großmann nach Kräften. Atomkraft sei als "Brückentechnologie" nun einmal notwendig, um den Umbau der Energieversorgung bewerkstelligen zu können. Er als Unternehmer müsse Überschuss erwirtschaften, um damit wiederum den Ausbau der erneuerbaren Energien bezahlen zu können. "Das Alte trägt nicht mehr, aber das Neue trägt noch nicht, wir müssen den Übergang gestalten", sagte Großmann. Und zwar mit Atomkraft.

Dann folgten Argumente, die schon in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder vorgetragen wurden: Ohne verlässliche konventionelle Stromproduzenten drohten Stromausfälle. Die energieintensiven Industrieunternehmen brauchten günstigen Strom, sonst verließen sie den Standort Deutschland. Und: Seit dem vorübergehenden Abschalten von sieben AKWs in Deutschland werde Atomstrom aus Frankreich und Tschechien importiert. Im grenznahen Ausland seien schließlich diverse Kernkraftwerke. "Die Sicherheit nimmt doch nicht zu, nur weil wir in Deutschland die Atomkraftwerke abschalten", sagte Großmann.

Nabu: Jedes abgeschaltete AKW ein Sicherheitsrisiko weniger

Letzteres sei ein Totschlagargument, antwortete Tschimpke: "Jedes abgeschaltete AKW ist ein Sicherheitsrisiko weniger." Das wiederum ließ Großmann nicht gelten. Natürlich sei auch für RWE Sicherheit das wichtigste Kriterium. Doch jede Großtechnik habe ihre Risiken. Warum gelte die Nutzung von Kernkraft als von vornherein "unverantwortlich"? "Kernkraft führt nicht zur Apokalypse, das werden wir irgendwann feststellen", sagte Großmann.

Nur auf eines konnten sich die Diskutanten einigen: Für den Umbau der Energieversorgung sind Investitionen in Speicher und Netze notwendig. Der RWE-Chef versprach eine finanzielle Beteiligung am Netzausbau. Bis dahin allerdings sei die Energiezukunft die "Kunst des Möglichen", also enthalte sie realistischerweise Atomkraft.

Großmann und die RWE seien der "letzte Fels in der Brandung der Atomindustrie", verabschiedete sich Tschimpke. "Na, Fels in der Brandung ist man ja gerne", antwortete Großmann - und ging von der Bühne.

(dapd )


 


 

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