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Koop mit Gazprom beim Kraftwerksbau

RWE trennt sich von der Mehrheit an seinem Höchstspannungsnetz

Deutschland größter Stromproduzent RWE zieht erste Konsequenzen aus der Energiewende: Angesichts knapper Kassen will der Konzern künftig neue Kraftwerke in Deutschland und den Nachbarländern zusammen mit dem russischen Gaskonzern Gazprom bauen. Außerdem trennt sich RWE von der Mehrheit an seinem Höchstspannungsnetz, um mehr finanziellen Spielraum zu erhalten.

Von Erich Reimann

Gazprom-Chef Alexey Miller und der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann unterzeichneten am Donnerstag in Rom eine Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft in der europäischen Kraftwerkswirtschaft. Gemeinsam wollen sie künftig Kohle- und Gas-Kraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern bauen und betreiben.

RWE hat damit vorläufig die Nase vorn im Ringen um die Gunst des weltweit größten Gasproduzenten. Drei Monate hat der Essener Konzern nun Zeit, zu einer Einigung mit den Russen zu kommen. Danach endet die Exklusiv-Vereinbarung. Gazprom-Chef Miller hatte in den vergangenen Wochen mit den Chefs fast aller großen europäischen Energiekonzerne verhandelt.

Der Hintergrund: Gazprom will sich nicht länger auf die Rolle des Gaslieferanten beschränken, sondern sucht nach Möglichkeiten weitere Schritte der Wertschöpfungskette zu besetzen - etwa durch eigene Kraftwerke in Westeuropa. Das Hauptaugenmerk gilt dabei Deutschland.

Bedenken beim Kartellamt

Zur Durchsetzung seines Wunsches hat Gazprom ein wirksames Druckmittel in der Hand. Denn die beiden größten deutschen Energieversorger E.ON und RWE stöhnen zurzeit unter den hohen Preisen, die in den langfristigen Gaslieferverträgen mit Russland vereinbart sind. Bislang verweigern die Russen hier Zugeständnisse. RWE hofft nun auf eine "große Lösung".

Doch auch aus einem anderen Grund könnte die Zusammenarbeit mit Gazprom für RWE attraktiv sein. Denn angesichts der aktuellen Gas- und Strompreise rechnen sich für den deutschen Stromriesen nach eigenen Angaben Kraftwerksneubauten trotz der drohenden Stromengpässe zurzeit nicht. Das würde sich schlagartig ändern, wenn Gazprom die Gemeinschaftskraftwerke zu Sonderkonditionen beliefern würde.

Beim Bundeskartellamt stieß die Ankündigung allerdings auf Bedenken. Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte auf Anfrage: "Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen."

Um den eigenen Schuldenberg abzubauen und mehr finanziellen Spielraum zu gewinnen, trennt sich RWE außerdem von der Mehrheit an seinem Höchstspannungsnetz. 74,9 Prozent des konzerneigenen Übertragungsnetzbetreibers Amprion sollen an ein Konsortium überwiegend deutscher Finanzinvestoren verkauft werden, wie der Konzern mitteilte. Der Kaufpreis liegt bei etwa 700 Millionen Euro, wie die Commerzbank mitteilte.

Amprion besitzt das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland. Der Verkauf steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des RWE-Aufsichtsrats und der Kartellbehörden.

(dapd )


 


 

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