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Gasspeicher Jemgum

Rysumer Nacken wurde mit Horizontalbohrung für Pipeline geschont

Im Zusammenhang mit dem Bau des Erdgasspeichers Jemgum hat EWE ein Horizontalbohrverfahren im Großformat eingesetzt, bei dem sich ein Bohrkopf - ähnlich wie beim U-Bahnbau - durch den Boden gräbt. Hierdurch konnte die Landschaft vor Ort geschont werden, da der Boden nicht aufgerissen werden musste. Gleichzeitig freuten sich am Mittwoch am Rande von Emden alle Beteiligten über die kleine Weltpremiere des 'Direct Pipe' genannten Verfahrens.

„Wir verwenden die neue Technik für die letzten 290 Meter der insgesamt 42 Kilometer langen Soletransportleitung, die das beim Bau des Gasspeichers anfallende Salzwasser – die Sole – von Jemgum bis zum Rysumer Nacken transportiert. Der letzte Rohrleitungsabschnitt verläuft hier durch das bereits salzhaltige Watt der Außenems und damit durch einen sensiblen Lebensraum. Für die Verlegung haben wir deshalb eine entsprechend umweltfreundliche Lösung gesucht und mit dem 'Direct Pipe'-Verfahren auch gefunden“, sagte Thorsten Soppa von der EWE Netz GmbH, unter deren Leitung das Projekt im Auftrag von EWE realisiert wird.

Interesse auch aus dem Ausland

Das neue Verfahren ermöglicht in einem einzigen Arbeitsschritt die grabenlose Verlegung eines vorgefertigten Rohrstranges von 1,2 Metern Durchmesser. Der Rohrstrang wird dabei durch eine Rohrvorschubmaschine, den sog "Pipe Thruster", in ein zeitgleich entstehendes Bohrloch geschoben. Über den Rohrstrang wird die für den Bohrvorgang notwendige Anpresskraft auf den Bohrkopf übertragen, erklärte der Erfinder der Technik, Dr. Rüdiger Kögler aus Nordgeorgsfehn. Das Verfahren stößt nach seinen Worten auch international bereits auf Interesse. „Es haben sich unter anderen bereits Vertreter von Baufirmen und Ingenieurbüros aus Russland und den USA angekündigt, um sich hier vor Ort von dem neuen Verfahren zu überzeugen“, so Kögler. 

Erfindung aus der Region

„Würden wir diesen Abschnitt konventionell verlegen, müssten wir rechts und links des Rohrstranges im Wasser Spundwände setzen, den Graben trocken legen und wahrscheinlich unter dem Rohr eine stützende Betonsole einziehen.
Durch das neue Verfahren aber halten wir den Eingriff in die Natur so gering wie möglich, und dass die Lösung mit Dr. Kögler als Erfinder quasi aus der Region stammt, freut uns ganz besonders“, so der stellvertretende Gesamtprojektleiter André Fisse. Ausführendes Unternehmen sei die Firma Meyer & John aus Hamburg, die mit dieser Spezialtechnik zwar Neuland betrete aber grundsätzlich über weitreichende Erfahrungen im Tunnelbau sowie im Tiefbau und der Vortriebstechnik verfüge.

Ersteinsatz des Verfahrens in Worms am Rhein

Vor der Anwendung der neuen Technik in Rysum kam das Direct Pipe-Verfahren im Jahr 2007 erstmalig durch den Hersteller der Maschinentechnik, die Firma Herrenknecht, zur Anwendung. Sie verlegte seinerzeit ein Schutzrohr für Wasserleitungen, Energie- und Telekommmunikationskabel, das bei Worms den Rhein unterquert.

Äußerste Präzision

„Was dieses Projekt am Rysumer Nacken zur Weltpremiere macht, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass wir kein Schutzrohr sondern ein Medienrohr verlegen, durch das in diesem Fall das Medium Sole transportiert wird. Die Ansprüche an dieses Rohr – zum Beispiel an die Dichtigkeit – sind wesentlich höher. Deshalb müssen wir beim Verlegen sehr behutsam vorgehen. Gleichzeitig müssen wir den Rohrstrang mit äußerster Präzision vorantreiben, da er am Ende das 290 Meter entfernte Ziel – das im Wasser stehende Einleitbauwerk – genau ,treffen’ muss“, sagte Meyer & John-Oberbauleiter Johannes Müller. Der Toleranzbereich betrage hier nur wenige Zentimeter.

MIDAL-Gasleitung transportiert zeitweise Sole

Der größte Teil der gesamten Soletransportleitung existiert bereits. So hat das Unternehmen Wingas den ersten Streckenabschnitt – etwa zehn Kilometer – von Jemgum nach Hatzum bereits im letzten Jahr fertig gestellt. Das Unternehmen arbeitet mit EWE zusammen. Den etwa sechs Kilometer langen Abschnitt von dort bis Riepster Hammrich baut derzeit ebenfalls die EWE Netz GmbH im Auftrag von EWE. Dieser Abschnitt soll dann gut einen Meter unter der Erdoberfläche an die vorhandene MIDAL-Gasleitung der Wingas anschließen, die von dort bis Rysum als Soletransportleitung genutzt wird. Der Soletransport findet voraussichtlich ab Oktober dieses Jahres statt.

Einer der größten Erdgasspeicher Deutschlands soll entstehen

EWE und Wingas wollen eigenen Angaben zufolge in den nächsten Jahren insgesamt 33 Kavernen im Salzstock Jemgum errichten. EWE plant, 15 Kavernen mit einem Volumen von jeweils bis zu 700.000 Kubikmetern zu bauen. Wingas will zunächst 18 Kavernen mit einem geometrischen Volumen von bis zu 750.000 Kubikmetern realisieren. Die beiden Speicher werden zwar zusammen entwickelt, nach ihrer Fertigstellung wollen beide Unternehmen sie jedoch unabhängig voneinander betreiben. In Jemgum soll einer der größten Erdgaskavernenspeicher in Deutschland entstehen.

(Redaktion)


 


 

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