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Peugeot zieht von der Saar an den Rhein

PSA-Konzern fusioniert Zentralen von Peugeot und Citroen in Köln

Schock im Saarland, Freude in Nordrhein-Westfalen: Der französische Autokonzern PSA will die Deutschland-Zentralen seiner Marken Peugeot und Citroen zusammenlegen. Dafür werde der Peugeot-Hauptsitz nach 72 Jahren von Saarbrücken nach Köln verlagert, wo Citroen bereits ansässig ist, teilte der gemeinsame Markenvorstand von Peugeot und Citroen, Olivier Dardart, am Mittwoch in Saarbrücken mit.

Von Stefan Säemann und Oliver Hilt

Während Politiker im Saarland entsetzt über die Entscheidung waren, wurde die Nachricht in Köln als "erfreulich" bezeichnet.

Die fast 350 Peugeot-Mitarbeiter der Saarbrücker Zentralverwaltung wurden über die Entscheidung in einer Betriebsversammlung am Mittwochnachmittag informiert. Für das Saarland ist der Peugeot-Wegzug finanziell äußerst schmerzhaft. Dardart sagte, von dem Wegzug am 1. September seien etwa 230 Mitarbeiter betroffen. Nach der Baumarktkette Praktiker verlässt damit ein zweiter großer Steuerzahler das kleinste deutsche Flächenland.

Saarland wollte Peugeot halten

Um dies zu verhindern, hatte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in den vergangenen Wochen noch versucht, mit einem entsprechenden Angebot an den PSA-Konzern Saarbrücken als gemeinsamen Standort für beide Automarken schmackhaft zu machen. "Es ist ein herber Schlag", sagte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch. Noch am Dienstagnachmittag habe man der Landesregierung mitgeteilt, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, fügte sie hinzu. Auch die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) fand klare Worte: "Ich bin schon ziemlich sauer". Stadt und Land hätten alles gegeben, um die Zentrale und insbesondere die Arbeitsplätze zu halten. "Ich muss sagen: Der Stil von Peugeot war nicht gut", kritisierte Britz.

Der Verlust der Peugeot-Zentrale ist nach Worten der Grünen ein "Desaster für das Saarland". Der französische Autobauer sei ein Vorreiter auf dem Gebiet der Elektromobilität. Diese Zukunftssparte gehe dem Saarland nun verloren, neben Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Hubert Ulrich. Der Ministerpräsidentin warf er vor, sich zu spät für die Rettung des Standorts stark gemacht zu haben.

Kraft: NRW ist attraktiver Wirtschaftsstandort

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) begrüßte die Fusion hingegen. Sie sei ein Zeichen für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts NRW, sagte sie. Das Land biete wegen seiner Infrastruktur "beste Voraussetzungen für die Automobilbranche", fügte sie hinzu. Nordrhein-Westfalen sei mit rund 800 Unternehmen und 200.000 Beschäftigten einer der bedeutendsten Automobilstandorte Deutschlands. Der Oberbürgermeister von Köln, Jürgen Roters (SPD), betonte: "Diese Nachricht ist sehr erfreulich." Allen Mitarbeitern, die von Saarbrücken an den Rhein kämen, biete die Stadt "Hilfestellungen, sich schnell in Köln heimisch zu fühlen", unterstrich Roters.

Der seit über 100 Jahren familiengeführte Peugeot-Konzern steckt knietief in der Krise. Er schreibt rote Zahlen, die Nettoschulden haben sich im vergangenen Jahr fast verdreifacht. Eine Rettung versprechen die Franzosen sich von dem Einstieg des weltgrößten Autokonzerns General Motors, dem zweitgrößten Aktionär nach der Peugeot-Familie. Peugeot konzentriert seinen Absatz bislang auf den derzeit extrem schwachen südeuropäischen Markt.

(dapd )


 


 

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