Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Medienforum NRW

Medien zwischen Angst und Widerstand

Verstöße gegen die Pressefreiheit tauchen nicht nur in Ländern arabischer Potentaten oder fernöstlicher Despoten auf. Das machte eindrucksvoll ein Experten-Panel zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit deutlich, das beim 23. Medienforum.NRW gemeinsam mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle angeboten wurde.

Dunja Mijatovic, OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, beschrieb in ihrer Keynote ihre Arbeit zwischen Audienzen bei Präsidenten oder anderen Staatsoberhäuptern und ihren Besuchen bei inhaftierten Journalisten und Bloggern. „Meine Stimme ist meine stärkste Waffe“, sagte Mijatovic und betonte: „Alleine kann ich nichts erreichen, ich bin auf Kooperation angewiesen. Es ist ein weiter Weg und wir werden vermutlich nie das Ziel erreichen.“ Mijatovic muss auch in Europa noch immer für die Freiheit von Medien und von Meinungsäußerungen kämpfen.

Scharfe Kritik an ungarischem Mediengesetz

Das umstrittene ungarische Mediengesetz macht es in Sachen Medien- und Meinungsfreiheit den Europäern schwer, mit den Fingern auf andere zu zeigen. Das unterstrich Christian Rickerts, der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. Károly T. Vörös, stellvertretender Chefredakteur der Budapester Zeitung Nészabadság, erklärte, die ungarische Regierung gründe ihre Politik auf „Angst, Neid, Hass“. Das Mediengesetz selbst sei weniger das Problem. Es sei die „existenzielle Angst“, die die Journalisten dazu brächte, sich regierungskonform zu verhalten. Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), betonte, dass seine Landesmedienanstalt großen Wert darauf lege, staatsfern zu sein. Als stellvertretender Vorsitzender der EPRA (European Platform of Regulatory Authorities), einer Plattform europäischer Medienaufsichtsbehörden, musste er allerdings einräumen, dass die ungarische Medienbehörde formal die Kriterien der Europäischen Union in Bezug auf Staatsferne erfülle.

Die Bloggerin und Menschenrechtsaktivistin Esra‘a Al Shafei, Gründerin der Online-Portale Mideastyouth.com und Crowdvoice.org aus Bahrein, erklärte, dass sie – was die Probleme beträfe – durchaus gerne mit den Europäern tauschen würde. Die 25-Jährige, die ständig mit einer Gefängnisstrafe rechnen muss, betonte die Bedeutung eines zeitgemäßen Medienangebotes, um die Jugend in ihrem Land zum Widerstand zu bewegen. „Ein 18- oder 20-Jähriger macht sich nicht die Mühe, große PDF-Dateien zu lesen“, sagte Esra‘a Al Shafei, „er möchte einen YouTube-Clip sehen und Teil eines Lebensstils sein“. Grundsätzlich müssten möglichst viele Menschen online beteiligt werden.

Nicht nur die Medienfreiheit, sondern auch die Medienverantwortung jedes Bürgers sei wichtig, erklärte Ulrike Kaiser, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Damit sei es aber in Deutschland nicht weit her. Sie kritisierte, dass alle Organisationen, die sich von Deutschland aus um die Medienfreiheit kümmerten, nicht stärker zusammen arbeiteten.

(Redaktion)


 


 

Medienfreiheit
Dunja Mijatovic
Deutschland
Sachen Medienund Meinungsfreiheit
Europäern
Freiheit
Landesanstalt
Medienaufsichtsbehörden
Journalisten

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Medienfreiheit" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: