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Tag der offenen Tür beim LAVES

Steckt mehr drin, als man denkt

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens hat man beim LAVES am vergangenen Samstag die Türen für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet. Für die Besucher hatte man sich einiges einfallen lassen. Und die blieben gerne und staunten, was sich so alles hinter dem Kürzel verbirgt. Und eins sei vorweg gesagt: keine Tischlampe aus dem Sortiment des Einrichtungshauses IKEA.

Denn tatsächlich steht das Kürzel LAVES abgekürzt für Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Wir befinden uns in Niedersachsen, genauer gesagt in Oldenburg. Das wiederum liegt nicht weit weg von Bremen.

Eins muss man dem Gebäude des LAVES-Lebensmittelinstituts an der Martin-Niemöller-Straße lassen: der moderne Bau liegt weit weg vom Oldenburger Stadtzentrum. Dementsprechend selten ist man dort als Otto-Normal-Verbraucher zugegen. Soll man ja auch nicht.

Doch am vergangenen Samstag sollte man. Und zwar einen Abstecher dorthin machen. Hierfür hatten eifrige LAVES-Mitarbeiter das gesamte Stadtzentrum mit Prospekten übersät. Und auf denen stand sogar eine richtig gute Beschreibung, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Peripherie Oldenburgs gelangt, um beim Tag der offenen Tür mit dabei sein zu können.

Eine Gemüseseuchenentschädigungskasse fehlt

Wer zu spät eintrudelte, wie unser Autor, der stellte vor Ort immerhin mit Genugtuung fest, dass auch Niedersachsens Verbraucherschutzminister Gert Lindemann (CDU) eine richtig gute Anfahrtsbeschreibung zugesteckt worden war. Er schaffte es rechtzeitig und nahm sich sogar die Zeit, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Mit Reportern sowieso. Aber die wollten den Minister an diesem Tag komischer Weise nur mit Boxhornklee in der Hand fotografieren. Immer wieder hörte man zuvor "Bienenbüttel hier...." und "Bienenbüttel dort...". Für alle Unaufgeklärten: in dem kleinen niedersächsischen Örtchen wird eine der Quellen der letzten EHEC-Epedemie vermutet. An der damit verbundenen Folgeerkrankung starben mehrere Menschen im Bundesgebiet.

Um solchen plötzlich auftretetenden Verunreinigungen, in der Fachsprache Kontaminanten gennant, auf die Spur zu kommen, unterhält Niedersachsen wie zahlreiche andere Bundesländer auch ein spezielles Landesamt. Im benachbarten Bundesland NRW hat das Äquivalent zum LAVES übrigens einen ebenso drolligen Namen: dort heißt die Partnerbehörde LANUV. Ein Faible der Bevölkerung für IKEA-Produktnamen scheinen die Namensgeber in Hannover und Düsseldorf stets vorausgesetzt zu haben.

Heimtierfutter "to go"

Wie sich beim Tag der offenen Tür zeigte, hat es das Landesamt in sich. Während sich ein Freizelt Futtermitteln widmete und sich die Besucher dort bereitwillig Heimtierfutter "to go" für den Hamster daheim zusammenmischten, ging es etwas weiter um die richtige Haltung von Vieh. Der interessierte Besucher erfuhr dort anhand von informativen Schautafeln, welche Hinweise an den Fußballen von Federvieh auf ein schlechtes Stallmanagment hindeuten. Und das kommt nach Angaben der Mitarbeiter auch in den besten Herden vor.

Etwas abseits drängte sich derweil in einem anderen Freizelt eine Menschentraube um einen Tisch auf dem alle wichtigen Organe eines Rindviehs aufgebahrt worden waren. Vor den Augen der Zuschauer ging dort ein LAVES-Mitarbeiter auf die verschiedenen Organe und ihre Bedeutung für die Tiergesundheit ein. Anhand eines Schnitts in ein Rinder-Gehirn machte er zudem deutlich, wo man im Zuge der BSE-Krise Proben entnommen hatte, um einen Prionen-Test durchführen zu können.

Duschköpfe auf den Fluren

Wer sich wieder den freundlicheren Seiten widmen wollte, der ging beim Tag der offenen Tür entweder weiter und ließ sich von einem anderen LAVES-Mitarbeiter des Bieneninstituts Celle demonstrieren, dass sich Imker-Bienen sogar streicheln lassen oder entschwand in das LAVES-Gebäude nebenan. Dort erfuhr man etwas über Ausbildungsmöglichkeiten bei der Behörde. Auch echten Edamer und Analogkäse sowie echten Joghurt und ein Joghurt-Ersatzprodukt der Lebensmittelindustrie konnte verkostet werden. Eher nebenher erfuhr man, dass das LAVES der wahrscheinlich größter Abnehmer von Moulinetten in der ganzen Stadt ist. Darin werden u.a. Wurstscheiben und Co. für die Laboruntersuchungen gemixt.

Interessant auch die Armaturen auf den Fluren der Behörde. Immer wieder zu sehen: Duschköpfe. Was so anmutet, als rissen sich die Mitarbeiter nach der Arbeit regelrecht die Kittel vom Leib, um zu duschen und heim zu fahren, dient allerdings für den Fall der Fälle: eben wenn mit der Moulinette oder einem anderen gefährlicheren Stoff einmal etwas daneben geht. Dann ist die sog. Dekontaminantion gefragt. 

Fische sind eine Querschnittsaufgabe

Und damit sich Krankheitserreger auf Getreide, Fleisch & Co. gar nicht erst ansiedeln können, widmet sich eine Fachabteilung des LAVES der Schädlingsbekämpfung in Getreidesilos und in anderen kritischen Bereichen. Während sich Verbraucherschutzminister Gert Lindemann wiederum draußen in einem Freizelt von einem Mitarbeiter erklären ließ, dass Besucher an diesem Tag zur Bestimmung bereits das ein oder andere Käferexemplar mitgebracht hätten, krabbelte unmittelbar hinter dem Minister ein im Sonnenlicht nicht so leicht bestimmbarer Käfer über eine ausgestellte Ausrüstung für die Seuchenbekämpfung. Statt der befürchteten Schabe und Co. handelte es sich allerdings um einen putzmunteren Marienkäfer. Und der frisst bekanntlich Blattläuse.

Wer nach den Schautafeln über Dioxinbelastung in der Muttermilch und Radioaktivität in der Umwelt abtauchen wollte, der musste nach ganz oben. Dort konnten in eigens aufgebauten Auslagen zahlreiche verschiedene Fische und Muschelarten bestaunt werden. Bei den Meerestieren und Muscheln sowie Süßwasserfischen handelt es sich um eine Querschnittsaufgabe. Dementsprechend waren verschiedene Abteilungen wie die bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover angesiedelte "Task-Force Veterinärwesen", das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven und eben das Lebensmittelinstitut Oldenburg in einem Raum vertreten, um gemeinsam über ihre Arbeit zu informieren.

In Braunschweig ist man auf DNA-Analysen spezialisiert

Und was hält Krankheitserreger zusammen? DNA. Und weil man mit der sog. Polymerasen Kettenreaktion (PCR) zahlreiche Genome von Krankheitserregern und ebenso gentechnisch verändertes Material in Lebensmitteln bestimmen kann, tun die Mitarbeiter des Lebensmittelinstituts Braunschweig tagein tagaus nichts anders, als Produkte zu beproben, die Mais, Reis und Soja enthalten, um gentechnischen Veränderungen auf die Spur zu kommen. Und was hält die vor 10 Jahren gegründete Landesbehörde selbst im Innersten zusammen? Im Großen und Ganzen ihre Mitarbeiter und das jährliche 52-Mio.-Budget. Und in manchem Lebensmittelinstitut auch ein Plakat an der Kühlkammer.

(Onur Yamac)


 


 

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