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Sanierungsprogramm gescheitert

Angeschlagene P+S Werften gehen in die Insolvenz

Die Rettung der angeschlagenen P+S Werften in Stralsund und Wolgast ist vorerst misslungen. Geschäftsführer Rüdiger Fuchs kündigte an, am Mittwoch Insolvenzantrag zu stellen. Das Land könne seine zugesicherten und zur Hälfte bereits ausgezahlten Beihilfen in Höhe von 152 Millionen Euro nicht aufstocken, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Montag nach einer Krisensitzung der Landesregierung. Damit sei das von der Geschäftsführung vorgelegte Sanierungsprogramm gescheitert.

Von Katrin Schüler, Ralph Sommer und Katrin Aue

Die Werften waren unter anderem wegen Bauverzögerungen bei mehreren Schiffen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. So sollten zwei Fährschiffe für die Reederei Scandlines bereits vor Monaten abgeliefert werden, ein Fertigstellungstermin ist immer noch nicht abzusehen.

Die Insolvenz sei allerdings nicht das Ende der Werften an den Standorten Stralsund und Wolgast: Das Geschäftsmodell der Peene-Werft Wolgast sei im Kern tragfähig, das Unternehmen für einen Investor gerüstet, sagte Geschäftsführer Fuchs. Die Volkswerft Stralsund müsse dagegen noch "in einen leistbaren Takt" gebracht werden, um den Weg zum Spezialschiffbauer gehen zu können.

Ob und wie es mit den beiden Werften weitergehe, sei offen, sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Auch ob die Bürgschaften in die Insolvenzmasse einfließe, sei noch nicht geklärt.

"Am Boden zerstört und total wütend"

Die Spätschicht-Belegschaften der beiden Standorte nahmen die Nachricht von der Insolvenz mit großer Enttäuschung auf. "Die Leute sind am Boden zerstört und total wütend", sagte der Stralsunder Bevollmächtige der IG Metall Küste, Guido Fröschke, am Montag der Nachrichtenagentur dapd in Stralsund.

"Die Insolvenz ist ein schwerer Schlag für die ganze Region", unterstrich Fröschke. Betroffen seien nicht nur die etwa 1.150 Mitarbeiter am Strelasund und die rund 600 Beschäftigten am Peenestrom. Die Pleite werde Auswirkungen für insgesamt 5.000 Menschen haben, darunter Leiharbeiter und Servicekräfte.

Der Unmut der Schiffbauer richte sich vor allem gegen die vor knapp drei Wochen abgelöste Geschäftsleitung, die nach Angaben des neuen Werftchefs Rüdiger Fuchs zu viele Neukonstruktionen in zu kurzer Zeit vorgenommen habe. Die Verantwortung dafür trage aber auch das Land, das mit zwei Vertretern im Beirat der Werft vertreten gewesen sei und den Kurs abgenickt habe.

Auftragsbuch ist gefüllt

Im Auftragsbuch der P+S Werften in Stralsund und Wolgast standen bislang Spezialschiffe mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Euro. Damit wären die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast bis Mitte 2013 komplett ausgelastet.

Die Stralsunder Werft habe allerdings seit April 2011 kein Schiff mehr ausgeliefert, alle Liefertermine hätten verschoben werden müssen, räumte Geschäftsführer Fuchs ein. Bis Ende des zweiten Halbjahres 2013 sollen nun die in Auftrag gegebenen Fähren sowie eisgängige Frachtschiffe für Royal Arctic ausgeliefert werden. Weitere Schiffe sollen geprüft werden, bevor sie in die Produktion gingen. Dazu gebe es einen genauen Plan von Schiffsneubauten und Neukonstruktionen.

Die etwa 1.750 Beschäftigten sollen am Dienstag über die derzeitige Lage der Werften informiert werden. Die Hoffnungen richteten sich nun darauf, dass der Betrieb erst einmal weitergehe, sagte der Gewerkschafter Fröschke. Jetzt müsse es dem Insolvenzverwalter gelingen, neue Investoren für die zwei traditionsreichen Werften zu finden, die möglichst viele Arbeitsplätze erhalten müssten.

(dapd )


 


 

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