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Schlecker wählt offene Kommunikation

Personalchef beantwortet Mitarbeiterfragen - Insolvenzverwalter strahlt Zuversicht aus

Die insolvente Drogeriekette Schlecker tritt in der Krisenkommunikation die Flucht nach vorne an und stellt sich in einem Blog den Anliegen der Mitarbeiter.

Von Matthias Jekosch

Auf www.schlecker-blog.com beantwortet Personaldirektor Alexander Boldt persönlich seit Montag die Fragen der bundesweit 32.000 Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Insolvenz.

Der Blog "Exciting Commerce" des Online-Handel-Experten Jochen Krisch lobt die neue Offenheit bei Schlecker. Der Schlecker-Blog sei ein gutes Beispiel dafür, "wie man als Unternehmen die Kommunikationshoheit selber in die Hand nehmen kann", heißt es dort. Der Tourismus- und Handelskonzern Arcandor beispielsweise sei bei seiner Pleite dagegen zum Spielball der Medien geworden.

Bisher galt Schlecker in der Kommunikation nach innen wie nach außen als sehr verschlossen. Vor einer Woche hielt der Konzern die erste Pressekonferenz seit 20 Jahren ab, nachdem er Mitte Januar Insolvenz angemeldet hatte.

Mitarbeiterin fragt nach Modalitäten für Insolvenzgeld

Im Blog beklagt beispielsweise Andrea T., dass sie im Dezember aus dem Unternehmen ausgeschieden sei, aber nun kein Arbeitslosengeld bekomme. Grund sei, dass ihr die Personalabteilung noch kein Schreiben von der Sparkasse Ulm zugeschickt habe. Diese streckt das Insolvenzgeld vor, das von der Agentur für Arbeit gezahlt wird. Boldt entschuldigt sich in dem Blog dafür. "Dass Sie bis heute keine Nachricht bekommen haben, ist unhaltbar", schreibt er und verspricht: "Ich werde mich persönlich Ihrer Angelegenheit annehmen."

An anderen Stellen will oder kann er keine Antwort geben. Anett beispielsweise fragt, wann die Mitarbeiter erfahren, welche Verkaufsstellen geschlossen werden und wann und ob ihnen gekündigt wird. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden kann", antwortet Boldt. "Die bis zum 29.02.2012 geplanten Schließungen werden vollzogen", sagt er aber.

Sonderausgabe der Mitarbeiterzeitung geplant

Neben dem Blog informiert Schlecker auch auf anderen Wegen. Im Laufe der Woche soll eine Sonderausgabe der Mitarbeiterzeitung "Mittendrin" herauskommen. Darin will das Unternehmen auf die Entwicklung der vergangenen Wochen und Tage eingehen und Begriffe aus dem Insolvenzverfahren wie Insolvenzgeld erläutern.

Am Mittwoch (8. Februar) wird Lars Schlecker zu einer Pressekonferenz in Wien erwartet. Bei der österreichischen Gesellschaft gibt es offenbar Unruhe wegen der Pleite der deutschen Mutter. Die Tochter soll aber wie die anderen Auslandsgesellschaften auch profitabel sein und ist einem Schlecker-Sprecher zufolge "definitiv nicht" von der Insolvenz betroffen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat sich in einer Gesamtbetriebsratssitzung derweil offenbar zuversichtlich über die Zukunft des Unternehmens geäußert. Es solle keine "große Kündigungswelle" geben, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung (Dienstagausgabe), der eigenen Angaben zufolge Auszüge des Sitzungsprotokolls vorliegen. Gleichwohl wolle Geiwitz zahlreiche der noch über 6.000 verbliebenen Filialen schließen.

Unterstützung erhalte Geiwitz von den Lieferanten. Diese befürchteten, dass Kunden ohne Schlecker beispielsweise auf Tankstellen ausweichen müssten. "Das will die Industrie nicht", soll Geiwitz laut Protokoll gesagt haben. Er selbst wehre sich gegen eine Zerschlagung von Schlecker und wolle das Image der Kette verbessern, heißt es in dem Bericht weiter. Deshalb wolle er auch bestehende Tarifverträge von Mitarbeitern nicht kündigen.

(dapd )


 


 

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