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"Die Stimmung ist am Boden"

Schlecker-Mitarbeiter werden über Entlassungen informiert

Die Massenentlassungen bei der insolventen Drogeriekette Schlecker werden Realität. "Wir haben die Listen mit den zu entlassenden Mitarbeitern erhalten", sagte Grit Walz, Betriebsrätin im Bezirk Baden-Baden, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd.

Von Matthias Jekosch

Die ersten Mitarbeiter seien schon informiert worden. Daneben laufen die Vorbereitungen zur Schaffung von Auffanggesellschaften, um die Betroffenen nicht einfach in die Arbeitslosigkeit abrutschen zu lassen. Die Finanzierung dafür bleibt bis Donnerstag jedoch weiterhin offen. Derweil gab der Schlecker-Gesamtbetriebsrat dem Bund eine Mitschuld an der Misere.

"Die Stimmung ist am Boden", sagte Walz. Auch wenn sie selbst keine Emotionen zeigen dürfe und weiterarbeiten müsse: Sie habe "schlaflose Nächte und tränende Augen", sagte die Betriebsrätin.

Die Betriebsräte hatten bis Montagabend Zeit, ihre Einwendungen auf Listen des vorläufigen Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz einzubringen. Der hatte daraufhin die endgültige Aufstellung erarbeitet. Insgesamt sollen bei Schlecker 11.200 Beschäftigte zum Monatsende ihre Jobs verlieren.

Hinter den Kulissen laufen jetzt die Vorbereitungen, um die Betroffenen in Transfergesellschaften aufzufangen. Am Wochenende hatte Geiwitz zusammen mit der Gewerkschaft ver.di mehrere potenzielle Träger getroffen.

"Wir müssen uns vorbereiten und tun das auch", sagte Erich Rau, Geschäftsführer der Transfergesellschaft Quali Plus, der Nachrichtenagentur dapd. Die Wendlinger Quali Plus übernimmt eines von voraussichtlich 15 Gebieten bundesweit.

Auffanggesellschaften sollen Türen öffnen

"Unsere Aufgabe ist es, Türen zu öffnen", sagte Rau weiter. "Für Donnerstag sind Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiter eingeplant", sagte er. Mit der Erfassung ihrer Profile solle dann am Freitag begonnen werden. Die Betreuer sollen so über die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter informiert werden. "Damit können die Betreuer individuell mit den betroffenen Mitarbeitern den weiteren Weg gehen", sagte Rau. Für den Vorgang blieben insgesamt vier Tage Zeit, damit die Transfergesellschaft rechtzeitig zum Monatsende ihre Arbeit aufnehmen kann.

Allerdings müssen sich die Länder davor noch auf eine Finanzierung eines KfW-Kredits für die Auffanggesellschaften einigen. Laut dem baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) prüfen alle Bundesländer bis Donnerstag, wie sie diesen KfW-Kredit rückverbürgen können.

Am Montag hatte es eine grundsätzliche Einigung zwischen Bund und Ländern gegeben. Demnach sollen die Länder voll bürgen, der Bund hält sich finanziell raus. Die bundeseigene Förderbank KfW stellt jedoch den Kredit zur Verfügung. Als wahrscheinlichster Weg gilt nun, dass die Länder sich dem jeweiligen Anteil der Schlecker-Filialen entsprechend beteiligen.

Große Bundesländer werden Hauptlast tragen

Nach Einschätzung Schmids werden vor allem die großen Bundesländer die Hauptlast tragen. Gemessen an den veröffentlichten Listen mit den zu schließenden Schlecker-Filialen seien die Hauptbetroffenen die größeren Bundesländer. Nordrhein-Westfalen und Bayern seien stark betroffen, Baden-Württemberg aufgrund seiner Größe aber auch. "Wir gehen davon aus, dass ganz grob ein Zehntel auf uns entfallen würde", schätzte Schmid den baden-württembergischen Anteil.

Der Schlecker-Gesamtbetriebsrat gab am Dienstag eine Mitteilung heraus, in der er den Bund mit in die Pflicht nahm. Die deutsche Gesetzgebung habe die Insolvenz letztlich erst möglich gemacht, monieren die Betriebsräte. "Nur weil ein Einzelkaufmann sich wegen Insolvenzverschleppung nicht strafbar machen kann, konnte Anton Schlecker so lange abwarten, bis er die laufenden Zahlungen nicht mehr bedienen konnte", schreiben sie. Ansonsten hätte der Insolvenzantrag weit früher gestellt werden müssen. Es sei "nur fair", wenn der Staat die Schlecker-Frauen nun in der Not unterstütze.

Auch wenn die Finanzierung noch nicht abschließend geklärt ist, betonten alle Beteiligten die Notwendigkeit, sich zu beeilen. Franke zufolge müssten die Vorbereitungen schon anlaufen. "Zeitlich geht es nicht anders", sagte er. Der Insolvenzverwalter habe deswegen Geld für die vorbereitenden Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Auch Rau sagte, der Zeitplan sei zwar machbar. Allerdings werde es richtig knapp.

(dapd )


 


 

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