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Filialschließungen bei Schlecker

Wut, Fassungslosigkeit und Enttäuschung

Sie sind enttäuscht, fassungslos und ringen mit den Tränen: Tausenden Schlecker-Mitarbeitern droht die Kündigung, denn etwa 2.000 namentlich benannte Filialen sollen geschlossen werden. So steht es auf einer vorläufigen Liste, die die insolvente Drogeriemarktkette am Mittwoch veröffentlicht hat.

Von Marco Piljic, Maike Hagedorn und Marlene Petermann

"Mich macht das alles sehr traurig", sagt eine Verkäuferin in einer Filiale in Berlin-Mitte. Denn mit dem geplanten Aus für ihren Markt gehe für sie nach 15 Jahren womöglich die Zeit bei Schlecker zu Ende.

Ob sie künftig in einer anderen Filiale arbeite oder ihren Job verliere, wisse sie noch nicht, sagt sie Verkäuferin. Klar ist aber, dass die Türen ihrer Filiale bald für immer geschlossen bleiben. "Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird", heißt es in einem Fax, das Schlecker an die Berliner und auch etwa 2.000 andere Filialen schickte.

Schließung trotz Stammkundschaft

Das Schlecker-Schreiben kam auch in einem Markt in Rheinland-Pfalz an. "Ich bin den Tränen nahe. Wenn wir keine Kunden im Laden gehabt hätten, hätte ich geheult", sagt die Filialleiterin. Die Frau begreift nicht, warum gerade ihr Geschäft geschlossen wird. "Wir wissen, es gibt Märkte, die keinen Umsatz haben. Aber wir haben täglich viele Stammkunden." Noch am Montag seien Waren für 5.000 Euro eingetroffen. "Da weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Ich glaube, die haben einfach nur ausgelost."

Für sie und viele andere Beschäftigte bleibt als einzige Hoffnung die Sozialauswahl. Denn: "Marktschließung bedeutet nicht automatisch Kündigung", heißt es in dem Fax. Die Filialleiterin nennt dafür drei Kriterien: Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters, seine Unterhaltsverpflichtungen - und das Alter.

Auf eine Zukunft bei Schlecker hoffen auch einige Mitarbeiter in München. Zwar stehe der Name ihrer Filiale auf der veröffentlichten Liste, erklärt eine Verkäuferin in der Innenstadt. "Uns wurde aber gesagt, dass jemand persönlich vorbeikommen würde, wenn die Schließungspläne definitiv feststehen. Das war bisher nicht der Fall", fügt die Frau hinzu.

Beschäftigte halten zu Schlecker

In einer anderen Innenstadt-Filiale halten sich die Mitarbeiter hingegen mit Äußerungen zurück. Man wolle "aus Loyalität zum Arbeitgeber" lieber nichts sagen. Es bestehe ja noch die Chance, weiterhin beschäftigt zu werden, erklären zwei Verkäuferinnen. In einer dritten Filiale heißt es, die Geschäftsleitung habe ein generelles Auskunftsverbot erteilt. Übersetzt heißt das: Schlecker hat einen Maulkorb verteilt.

Von den derzeit 5.400 Schlecker-Märkten sollen nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz 3.120 Märkte erhalten bleiben. Etwa 12.000 Mitarbeiter müssen mit Kündigungen rechnen. Bei vielen der von den Schließungen betroffenen Filialen sollte schon am Mittwoch der Räumungsverkauf beginnen.

Enttäuschung bei Mitarbeitern

Darauf bereiteten sich die Mitarbeiter in einem Markt in Hannover schon seit Tagen vor. Sie hätten schon seit vergangener Woche gewusst, dass "hier dicht gemacht wird", wie sie fassungslos sagen. "Ich bin enttäuscht", sagt die ältere der beiden Verkäuferinnen und sucht mit der Hand Halt an einem Süßigkeitenregal. "Und dann ab 24. März arbeitslos", fügt sie hinzu.

In einer anderen Filiale in der niedersächsischen Landeshauptstadt äußert sich die Mitarbeiterin nicht - weil auch sie nichts sagen darf. In ihrer Filiale hängt sie weitere Plakate auf. "30 Prozent auf alles", steht darauf. Die Plakate weisen die Kunden auf den Räumungsverkauf hin. Das Aus für die Filiale ist absehbar.

(dapd )


 


 

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