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Signal eines Unzufriedenen

Gruner + Jahr-Chef verlässt Vorstand des Hauptgesellschafters Bertelsmann

Als Chef des Zeitschriftenriesen Gruner + Jahr ist Bernd Buchholz einer der mächtigsten Manager der deutschen Medienbranche - aber vielleicht nicht mehr lange: Der 50-Jährige legte am Mittwoch sein Amt als Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft Bertelsmann fristlos nieder und hat damit öffentlich ein deutliches Signal seiner Unzufriedenheit gezeigt.

Von Claus-Peter Tiemann

Wie lange sich der Manager nun noch als Verlagschef hält, ist offen. Eine Entlassung wäre allerdings teuer für die Gütersloher: Buchholz Vertrag läuft bis 2016.

Der gebürtige Berliner ist die Schlagzeilen gewohnt. Nach dem Jura-Studium in Kiel stürzte er sich in die Politik - für die FDP. Noch keine 30 Jahre, zog er in den Landtag ein und wurde weit über Kiel hinaus bekannt als beinharter Aufklärer im "Schubladen-Ausschuss", der die Lügenmärchen mancher SPD-Politiker im Zusammenhang mit der Barschel-Affäre untersuchte.

Doch Buchholz nutzte seine Popularität nicht für eine Polit-Karriere, sondern wechselte in die Geschäftswelt: Der damalige Gruner + Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen holte den jungen Juristen 1996 nach Hamburg in den Verlag. Buchholz machte schnell Karriere: vom Vorstandsassistenten zum Geschäftsführer der Lokalzeitung "Morgenpost", zum Verlagsleiter des "Stern", zum Geschäftsführer der "Stern/Geo"-Gruppe.

Kritik an "den Leuten auf dem Sonnendeck"

2004 zog er in den Vorstand ein. Als sich der Vorsitzende Bernd Kundrun 2009 mit Bertelsmann überwarft, schlug die Stunde von Buchholz, er wurde der Chef.

Seine Bilanz der drei Jahre am Ruder ist gemischt: Der Umsatz stagniert, die Auflagen fallen, der große Konkurrent Axel Springer zog davon, das US-Druckgeschäft kommt nicht in Schwung.

Andererseits hob er mit einem scharfen Sanierungskurs, der auch Jobs kostete, die Rendite wieder in den zweistelligen Bereich, er schob zahlreiche neue Titel mit an, darunter Erfolge wie "Neon" oder "View" und Pleiten wie "Park Avenue" oder "Emotion".

Der Belegschaft bleibt er wohl in Erinnerung mit Sprüchen wie dem von "den Leuten auf dem Sonnendeck", denen man in einer Krise sagen müsse, "dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen" - die Aussage war gemünzt auf gut verdienende G+J-Journalisten, denen in den guten Zeiten ein Hang zur Business-Klasse und großen Mietwagen nachgesagt wurde.

Buchholz selbst sagte über sich in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung": "Ich spiele in der Verlegerszene eine handfeste, meinungsbildende Rolle, zum Beispiel wenn es um den Presse-Vertrieb oder um E-Publishing geht."

(dapd )


 


 

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