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Somalia

Handynetze, Schulen & Universitäten - aber eine Wirtschaft ohne Staat

Für Europäer ist die Sache klar: Somalia verdient sein Geld vor allem mit Piraterie. Das Entführen von Schiffen sei der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes am Horn von Afrika, schrieb das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im vergangenen Jahr. "Somalia ist wirtschaftlich erstaunlicherweise gar nicht so schlecht dran, wie es auf den ersten Blick scheint", sagt dagegen Markus Höhne vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.


Von Stephan Radomsky

Der Wissenschaftler ist mehrfach durch das ostafrikanische Land gereist und hat dabei vor allem in den Städten eine lebendige Wirtschaft beobachtet. Dort gebe es vollständig privat finanzierte und betriebene Handynetze, Schulen und Universitäten - ohne jede staatliche Regulierung. Das Geld komme zumeist von Landsleuten aus dem Ausland. Zudem sei das Land durch seine Häfen an die Weltwirtschaft angebunden.

"Somalia hat strategisch eine gute Lage zwischen Asien und den Arabischen Emiraten auf der einen und den ostafrikanischen Staaten ohne Meereszugang auf der anderen Seite", erklärt Höhne. Deshalb gebe es überall eine große Geschäftemacherei im Kleinhandel - "auch dank des Schmuggels". Waren gelangten über die Häfen ins Land und würden dann etwa nach Äthiopien und Kenia weiter gehandelt.

Hafen Berbere könnte Dschibuti Konkurrenz machen

Zudem gilt die Region um die Stadt Baidoa, nordwestlich von Mogadischu, als fruchtbar. Sie habe durchaus großes Potenzial für die Landwirtschaft, sagt Höhne. Im Norden des Landes, in der weitgehend autonomen Region Puntland, sucht das Unternehmen Range Resources nach Öl und Gas.

Dort und im benachbarten Somaliland sei die Lage verhältnismäßig stabil, sagt Höhne. Die beiden Regionen haben mit Berbera und Boosaaso zudem große Häfen. "Gerade Berbera könnte potenziell Dschibuti als wichtigem Hafen in der Region Konkurrenz machen", glaubt Höhne. "Das wäre ein riesiges Potenzial."

Situation außerhalb der Zentren angespannt

Außerhalb der Zentren sei die Situation dagegen viel schlechter. "Im Landesinnern sind die Straßen lausig", sagt Höhne. Das sei - neben den Kämpfen zwischen islamistischer Al-Schabab-Miliz und Regierungstruppen im Süden und der Mitte des Landes - ein Grund für die schlechte Versorgung dieser Regionen. So treffe der Hunger nun vor allem die arme Landbevölkerung abseits der Städte.

(dapd )


 


 

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