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Sondersitzung in Brüssel

Pferdefleisch-Skandal trifft deutschen Handel

Der Pferdefleisch-Skandal hat nun auch Deutschland erreicht. Nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Verbraucherministeriums wurden zwischen November und Januar "in größerem Umfang" verdächtige Tiefkühlprodukte in die Bundesrepublik geliefert.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sprach am Mittwoch von einem "schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung" und verlangte eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Vorgänge.

Undeklariertes Pferdefleisch könnte nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministers Johannes Remmel (Grüne) unter anderem in Produkten der Kaiser's Tengelmann Eigenmarke "A&P", der Edeka-Marke "Gut & Günstig", der Markant-Marke "Jeden Tag" und des Tiefkühldienst-Unternehmens Eismann enthalten gewesen sein. Allerdings steht der Beweis dafür noch aus.

Die deutschen Behörden waren am Dienstagabend über das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel alarmiert worden. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Luxemburger Zwischenhändler die verdächtigen Produkte an ein Kühlhaus in Nordrhein-Westfalen geliefert. Doch sei nicht auszuschließen, "dass auch weitere Produkte, Unternehmen oder Bundesländer betroffen seien", hieß es im Bundesverbraucherministerium.

Die für die Lebensmittelüberwachung in Nordrhein-Westfalen zuständigen Behörden waren am Mittwoch damit beschäftigt zu prüfen, ob die verdächtigen Produkte bereits alle vom Markt genommen wurden. Außerdem bemühten sie sich, Proben sicherzustellen. Erste Produkte seien bereits in den Labors, doch werde der Test wohl drei Tage dauern, sagte Remmel. Erst dann könne gesagt werden, ob und wenn ja, wie viel Pferdefleisch die Produkte enthielten.

Treffen in Brüssel

Betroffene Unternehmen hatten aber offenbar schon vor der aktuellen Warnung aus Brüssel Verdacht geschöpft und den Verkauf einiger Produkte gestoppt. Allerdings seien die Behörden darüber nicht informiert worden, berichtete der Minister. Dies sei zwar rechtlich nicht zu beanstanden, erschwere aber die Aufarbeitung des Skandals.

So hatte die Supermarktkette Real bereits vor einigen Tagen vorsorglich den Verkauf von Mini Cheeseburgern des Lieferanten Agro on sowie von Lasagne der eigenen Handelsmarke Tip eingestellt. Der Konkurrent Kaisers's Tengelmann nahm Tiefkühl-Lasagne der Hausmarke A&P aus dem Verkauf. Auch Eismann hatte schon in der vergangenen Woche Lasagne-Produkte aus dem Angebot genommen. Alle drei Unternehmen betonten allerdings, es handele sich um vorsorgliche Maßnahmen.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka erklärte auf Anfrage, er prüfe derzeit seine Eigenmarkenprodukte. Bislang lägen aber noch keine Ergebnisse vor. Konkurrent Rewe teilte mit, von den bisher im Pferdefleisch-Skandal ins Zwielicht geratenen Lieferanten bezögen weder das Unternehmen selbst noch die Tochterfirmen Penny oder Toom Ware. Auch die Discounter Aldi und Lidl erklärten, sie seien vom Pferdefleisch-Skandal in Deutschland nicht betroffen.

Die Bundesregierung wollte am Abend in Brüssel an einer Sondersitzung zu dem Thema teilnehmen.

(dapd)


 


 

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