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Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Fahrenschon will Sparkassen auch im Internetzeitalter erhalten

Am Berliner Gendarmenmarkt ist am Dienstag der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, aus seinem Amt verabschiedet worden (business-on.de berichtete). Amtsnachfolger Georg Fahrenschon will die Zukunft der Sparkassen auch im Internetzeitalter sichern. Deren Zukunft war niemals unsicherer als heute.

Von Onur Yamac

Geht es nach der EU-Kommission, sind die deutschen Sparkassen ganz gewöhnliche Banken. Geht es nach den Sparkassen, sind die Geldinstitute, die anders als Privatbanken als öffentlich-rechtliche Institute geführt werden, unverzichtbar und bilden zusammen mit den Genossenschafts- und Privatbanken einen 3-Säulen-Mix, der die Interessen verschiedener Kreditnehmergruppen jeweils stärker oder schwächer berücksichtigt. Gemeinsam haben alle Geldinstitute eins gemeinsam: sie vergeben Kredite. Und ohne Kredite läuft in der Wirtschaft nichts oder nur wenig.

Als ein zentrales Ziel seiner Präsidentschaft hielt Fahrenschon in Berlin fest, den Sparkassen auch in Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und Individualisierung eine Zukunft im schärfer werdenden Bankenwettbewerb zu geben und das bisherige Geschäftsmodell fortzuentwickeln. 

Fahrenschon will Strukturwandel einleiten

In der sich digital beschleunigenden Welt könnten allerdings das Geschäftsmodell, die Strukturen und die Entscheidungswege der Sparkassen-Finanzgruppe nicht unverändert bleiben, machte der Neupräsident ebenso deutlich. Deshalb müssten die Sparkassen ihre Angebote entschlossener als bisher ins Netz tragen und die Abläufe in der Gruppe modernisieren.

Tatsächlich drängen die zunächst belächelten Direktbanken durch die zunehmende Online-Affinität der Kunden immer stärker in das Revier der klassischen Banken, der Genossenschaftsbanken und nicht zuletzt der Sparkassen (business-on.de berichtete). Der Vorteil der digitalen Konkurrenz : günstigere Kontoführungskonditionen, jederzeit Onlinezugriff und Zugriff auf Geldautomaten. Nachteil: Gerade ältere Kunden können sich nur an Callcenter oder via Online-Dialogfeld an Kundeberater wenden. Ein Filalnetz fehlt meist. Und auch beim Geldabheben werden bei vielen Geldautomaten Gebühren fällig. Seitdem aber Tankstellen und Supermärkte die Möglichkeit anbieten, beim Einkauf auch noch kostenlos gleich mit Geld abzuheben, ist allerdings auch das Gebührenargument hinfällig geworden.

Für einen Neuanfang sprach sich Fahrenschon beim Verbraucherschutz aus. Es sei falsch, Kunden vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätten. Richtig wäre es vielmehr, Kunden zu selbstbestimmten, kenntnisreichen Entscheidungen zu befähigen. Deshalb sollten sich Politik, Verbraucherschutz und Finanzbranche für eine bessere Finanzbildung engagieren und Anbieter mehr Anstrengungen für verständliche Produkte unternehmen. Zuletzt hatten die klassischen Filialbanken bei der Verbraucherinformation gegenüber der Direktbanken-Konkurrenz eine Ohrfeige von der Stiftung Warentest kassiert, weil die gesetzlich vorgeschriebenen Informationsblätter nicht ausgehändigt worden waren (business-on.de berichtete).

„Die Kreditwirtschaft darf nicht die Erwartung haben, dauerhaft mehr zu verdienen als ihre Kunden.“ (Scheidender DSGV-Präsident Heinrich Haasis)

Haasis: Bankrepräsentanten nehmen sich zu wichtig

Der bisherige DSGV-Präsident Heinrich Haasis blickte bei seiner Rede auf eine Amtszeit zurück. Er betonte, dass die Finanz- und Staatsschuldenkrise viele Prioritäten verschoben habe. „Noch vor einigen Jahren hätte es mein Vorstellungsvermögen überschritten, welch zerstörerische Kraft Finanzmärkte für den bereits erarbeiteten Wohlstand entwickeln können." Deutschland habe in diesen Jahren das große Glück gehabt, "verantwortlich handelnde, großartige Menschen zu haben.“

Haasis warnte allerdings davor, nun wieder zur Tagesordnung überzugehen. Die Deregulierung der Finanzwirtschaft und das weltweite freie Spiel der Marktkräfte sei der falsche Weg gewesen. Die Finanzbranche sei eine dienende Branche, deren Repräsentanten sich nicht wichtiger nehmen dürften als sie tatsächlich seien. „Die Kreditwirtschaft darf nicht die Erwartung haben, dauerhaft mehr zu verdienen als ihre Kunden.“

(FN)


 


 

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