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E.on unter Zugzwang

Energiekonzern will bis 2015 rund 11.000 Stellen weltweit streichen

Deutschlands Energiekonzerne stehen nach dem von der Politik beschlossenen Atomausstieg massiv unter Druck. Nach RWE verbuchte auch Marktführer E.on im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinneinbruch. Als Konsequenz kündigte das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf die Streichung von bis zu 11.000 Stellen weltweit bis 2015 an und bestätigte damit seit Tagen kursierende Spekulationen. Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich über die Pläne empört.

Von Frank Bretschneider

Die Arbeitsplätze sollen vor allem in der Verwaltung wegfallen, wo nach Konzernangaben 15.000 der insgesamt 80.000 Beschäftigten arbeiten. Konkrete Entscheidungen, welche Standorten betroffen sein werden, will E.on im Herbst treffen.

Der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen wollte sich bei Vorlage der Halbjahreszahlen nicht zu Details äußern: "Es gibt noch keine fertigen Pläne." Der Stellenabbau solle "so sozialverträglich wie möglich" ablaufen. Betriebsbedingte Kündigungen könnten aber nicht ausgeschlossen werden.

Atomwende lässt Gewinn einbrechen

Von der Atomwende der Bundesregierung nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima, die den Atomausstieg bis 2022 vorsieht, wurde auch E.on kalt erwischt. Unerwartete Kosten für die vorzeitige Stilllegung von Kernkraftwerken und die Brennelementesteuer belasteten den Konzern im ersten Halbjahr mit 1,7 Milliarden Euro. Als Folge schrumpfte der bereinigte Konzernüberschuss um 71 Prozent auf 900 Millionen Euro.

"Das erste Halbjahr war das schlechteste in der Geschichte des Konzerns", bilanzierte Teyssen. Im zweiten Quartal wies E.on unterm Strich sogar erstmals einen Verlust aus. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Folgekosten des Atomausstiegs in Höhe von 2,7 Milliarden Euro.

Aber auch sinkende Margen im Stromgeschäft und das Gasgeschäft verhagelten die Bilanz. Seine Gewinnprognose für 2011 fuhr der Konzern vor diesem Hintergrund deutlich herunter. Erwartet wird jetzt ein bereinigter Überschuss von 2,1 Milliarden bis 2,6 Milliarden Euro nach bisher 3,0 Milliarden bis 3,7 Milliarden Euro.

Kosten sollen um jährlich 1,5 Milliarden Euro sinken

Mit einem drastischen Sparkurs will E.on nun auf die Kostenbremse treten. Bis 2015 sollen die "beeinflussbaren" Kosten um 1,5 Milliarden auf 9,5 Milliarden Euro jährlich sinken. Die Belegschaft soll dazu rund die Hälfte beisteuern.

Betroffen sind auch die Aktionäre: Sie sollen für 2011 eine auf 1,00 Euro reduzierte Dividende erhalten. Bislang hatte E.on 1,30 Euro Mindestdividende bis 2012 garantiert.

"Gegen negative Veränderungen von Märkten, vor allem aber des politischen und regulatorischen Umfeldes, sind wir nicht gefeit. Umso mehr müssen wir unseren Handlungsspielraum im Inneren nutzen", sagte Teyssen. Der Konzern will nach seinen Worten aber nicht an Investitionen sparen, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nicht zu gefährden. Wachstumsimpulse sollen von den erneuerbaren Energien als auch aus dem Ausbau des Auslandsgeschäfts kommen.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die E.on-Personalpläne: "Wir verurteilen, dass der Konzern die anstehenden Veränderungen der Rahmenbedingungen überproportional auf dem Rücken der Beschäftigten austragen will", sagte Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott. Verdi rechnet damit, dass 60 Prozent der Stellen in Deutschland wegfallen werden.

(dapd )


 


 

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