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Streit ist geil

Bei Europas größter Elektronikmarktkette eskaliert der Machtkampf der Eigentümer

Europas größter Elektronikhändler Media-Saturn hat mit dem Slogan "Geiz ist geil" Werbegeschichte geschrieben. Doch zurzeit gilt bei dem Unternehmen eher der Grundsatz "Streit ist geil". Seit Monaten liefern sich die beiden größten Eigentümer - der Düsseldorfer Handelsriese Metro und der Firmengründer Erich Kellerhals - einen erbitterten Kampf um die Macht bei dem gewinnstarken Unternehmen.

Von Erich Reimann

Am Montag erreichte der Konflikt einen neuen Höhepunkt. Denn bei der Gesellschafterversammlung von Media Saturn wollte Kellerhals, wie der Nachrichtenagentur dapd von beiden Parteien bestätigt wurde, mit seiner Sperrminorität eine Einschränkung des sogenannten Cash-Poolings mit der Metro durchsetzen.

Nach dem Willen des Minderheitsaktionärs sollen künftig nicht mehr die gesamten Überschüsse der Elektronikmärkte dem Düsseldorfer Handelsriesen zur günstigen Versorgung mit Liquidität zur Verfügung stehen, sondern nur noch ein Viertel der Summe. Kellerhals gehe es um Risikostreuung, hieß es im Umfeld des Firmengründers.

Ausgelöst wurde der offene Streit durch Metro-Chef Eckhard Cordes. Der Konzernchef wollte nicht länger hinnehmen, dass der Düsseldorfer Handelskonzern zwar über drei Viertel der Anteile an den Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn verfügt, aber dennoch wegen der vertraglich verankerten Sperrminorität der Media-Saturn- Gründer Kellerhals und Leopold Stiefel nicht schalten und walten kann, wie er will. Den Topmanager störte vor allem die Zögerlichkeit der älteren Herren bei der Expansion ins Internet und der Markterschließung in China.

Haniel will Wogen glätten

Doch sein Versuch, das Vetorecht der Firmengründer vor dem Landgericht Ingolstadt zu kippen, droht inzwischen für Cordes zum Debakel zu werden. Denn einerseits signalisierte das Gericht bei der mündlichen Verhandlung, dass die Aussichten für einen Erfolg des juristischen Befreiungsschlages eher schlecht stehen. Andererseits betrachtete vor allem Kellerhals den Schritt des Metro-Chefs als Kriegserklärung und kämpft seitdem erbittert um seine Position um Unternehmen.

Für Media-Saturn kommt der Streit der Gesellschafter zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn das erfolgsverwöhnte Unternehmen ist zuletzt ins Stolpern geraten. Im ersten Halbjahr musste es drastische Ergebniseinbußen hinnehmen, und auch die Umsätze gingen zurück. Europaweit hat das Handelsunternehmen deshalb erst kürzlich den Abbau von 3.000 Stellen angekündigt.

Metro-Groß aktionär Haniel drängt inzwischen angesichts der Kollateralschäden des Konflikts auf eine Beilegung der Auseinandersetzungen. Ein Haniel-Sprecher sagte am Montag, das Familienunternehmen sei dafür, die Wogen zu glätten und wieder auf eine vernünftige Arbeitsebene zu kommen.

(dapd )


 


 

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