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Bundesnetzagentur ermittelt

Händler sollen Stromnetz an Rand des Zusammenbruchs getrieben haben

Nicht klirrende Kälte oder der Atomausstieg, sondern die Geldgier von Stromhändlern soll in den vergangenen Wochen das deutsche Stromnetz an den Rand des Zusammenbruchs getrieben haben.

Von Erich Reimann

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur berichtete am Donnerstag, Anfang Februar sei es gleich an mehreren Tagen über Stunden zu "starken Unterdeckungen" im Stromnetz gekommen. Zu deutsch: Es fehlte nicht mehr viel zu einem Blackout.

Denn statt genügend Strom zuzukaufen, um den durch den Frost gestiegenen Bedarf zu decken, hätten sich Händler darauf verlassen, dass die Übertragungsnetzbetreiber die Stromlücken mit Hilfe der eigentlich nur für Notfälle gedachten sogenannten Regelenergie ausgleichen. "Das war für sie billiger", sagte der Sprecher der Wettbewerbsbehörde. Er bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe).

Nach Informationen der Zeitung wurde das Stromnetz in die Nähe des Zusammenbruchs gebracht. Das Blatt zitierte ein Schreiben der Netzagentur an die verantwortlichen Händler, wonach "im Störungsfall teilweise keine Regelleistung verfügbar gewesen" wäre.

Eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet bestätigte: "Wir haben alles an Regelenergie reingeschossen, was wir hatten." Dabei soll die Energie eigentlich dazu dienen, Notfälle wie einen plötzlichen Kraftwerksausfall beherrschen zu können.

Mehrere Brancheninsider berichteten der "Berliner Zeitung", dass es um Profitmaximierung ging. Eigentlich seien die obersten Stromhändler, die sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen, rechtlich verpflichtet, stets soviel Strom aus Kraftwerken einzukaufen, wie ihre Kunden verbrauchten, schrieb das Blatt. Doch sei der Strombedarf offenbar absichtlich zu niedrig kalkuliert worden.

Strom war siebenmal so teuer wie normal

Denn Strom war wegen der Kälte ungewöhnlich teuer. Am 7. Februar mussten laut den Daten der Strombörse EEX zum Beispiel zwischen 9.00 und 10.00 Uhr 380 Euro pro Megawattstunde bezahlt werden - etwa das Siebenfache der üblichen Großhandelspreise. Durch den Rückgriff auf die Regelenergie konnten die Händler dem Bericht zufolge vermeiden, den gerade sehr teuren Strom zukaufen zu müssen und dabei Geld sparen.

Denn der Preis der Regelleistung ist weitgehend fix. In normalen Zeiten ist sie mit etwa 100 Euro pro Megawattstunde zwar teuer. Doch in der Kälte wurde die Regelenergie damit zeitweise zum Schnäppchen.

Die Bundesnetzagentur will die Vorgänge nun so rasch wie möglich aufklären. Die Behörde sei außerdem bereits im Gespräch mit dem Bundeswirtschaftsministerium, um dafür zu sorgen, dass sich eine solche Situation nicht wiederholen könne, sagte ein Sprecher. Möglicherweise werde die Regelenergie künftig so stark verteuert, dass kein Vorteil mehr daraus entstehe, sie in Anspruch zu nehmen.

Allerdings könnte es noch zwei Monate dauern, bis klar wird, wer von den rund 900 Stromhändlern zu wenig Strom ins Netz eingespeist hat. Denn so lange dauert im Normalfall die Abrechnung. Deutschlands größte Energieversorger E.on und RWE betonten bereits, sie hätten sich nichts vorzuwerfen. Ein E.on-Sprecher bat die Bundesnetzagentur, die Vorwürfe unverzüglich und gründlich zu klären.

(dapd )


 


 

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