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Sprungbrett oder Sackgasse?

Streit um aktuelle Studie zu Aufstiegschancen von Billiglöhnern

Der Niedriglohnbereich ist laut einer Studie im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ein Sprungbrett in eine normal bezahlte Tätigkeit. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erforschte, gelang jährlich 24,1 Prozent der Geringverdiener dieser Aufstieg. Kritik kommt dagegen von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den Grünen. Für drei Viertel aller Beschäftigten blieben Niedriglöhne eine Sackgasse, sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske.

Von Annika Schulze

Während jährlich knapp jeder Vierte den Aufstieg auf ein höheres Lohnniveau schaffe, stiegen nur 4,8 Prozent aus dem Normalverdienerstatus ab, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr am Dienstag in Berlin. Die Studie zeige damit deutlich, dass die weitverbreitete Angst der Menschen vor einem Abstieg in einen gering bezahlten Job unbegründet sei.

Zudem biete der Niedriglohnsektor vielen Arbeitslosen die Möglichkeit, überhaupt wieder in Beschäftigung zu kommen. Ein Abbau des Sektors für Normalverdiener zugunsten von Billigjobs fand laut Studie zwischen 1994 und 2009 nicht statt.

Pellengahr verteidigte die beispielsweise im Friseurhandwerk üblichen niedrigen Löhne selbst für gelernte Kräfte. "Jeder Job ist besser als kein Job", sagte er und verwies auf die Möglichkeit, durch weitere Qualifizierung und einen Wechsel des Arbeitgebers den Aufstieg zu schaffen. Mindestlöhne lehnte er ab. Diese würden neue Arbeitsplätze verhindern, sagte er.

Verdi: Jeder Fünfte arbeitet für Billiglöhne

Bsirske bezeichnete die Studie als irreführend und schönfärberisch. Erstmals sei damit auch von Arbeitgeberseite bestätigt worden, dass mit 22 Prozent bereits etwa jeder Fünfte Beschäftigte heute für Niedriglöhne arbeite, sagte Bsirske und bekräftigte erneut die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn .

Ähnlich äußerte sich die arbeitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Brigitte Pothmer. Lohndumping und die Aufstockung mit Arbeitslosengeld II blieben "bedrückender Alltag in Deutschland", drei Viertel aller Geringverdiener steckten dauerhaft in der Niedriglohnfalle fest.

Laut Studienmitautor Holger Schäfer bietet der Niedriglohnsektor vor allem Jobs für Geringqualifizierte in einfachen Tätigkeiten. Mehr als 80 Prozent der dort Beschäftigten verfüge aber über mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Allerdings übten zwei Drittel entweder einfache Tätigkeiten aus oder verfügten über eine nicht zum Beruf passende Ausbildung.

Besonders positiv hob Schäfer den Einfluss des Niedriglohnsektors auf das Armutsrisiko der Beschäftigten hervor. Trotz der vergleichsweise geringen Löhne seien nur 16 Prozent der Angestellten von Armut bedroht. Bei Arbeitslosen liege das Risiko dagegen bei 61 Prozent.

(dapd )


 


 

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