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"Super Mario"

Internationale Finanzmärkte hoffen auf Befreiungsschlag der EZB

"Super Mario" wird er genannt und für den einflussreichsten Zentralbankchef der Welt gehalten: Mario Draghi, 65 Jahre alt und seit zehn Monaten Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Von Bernhard Condon und Paul Wiseman

"Draghis Rolle beim Vermeiden einer Implosion der Eurozone bringt ihn in die unglückliche Position, derzeit der Zentralbanker mit dem größten Einfluss auf die globale Finanzstabilität zu sein", befindet Eswar Prasad, Professor für Handelspolitik an der Universität Cornell. Die Aufgabe von US-Notenbankchef Ben Bernanke sei nicht so dringend, "weil die US-Wirtschaft vor sich hin dümpelt und keinem unmittelbarem Desaster- Szenario ausgesetzt ist".

Wer die größten Probleme zu bekämpfen hat, gilt also unter Fachleuten mittlerweile als am wichtigsten. Der Präsident der US-Notenbank verfügt zwar immer noch über die Macht, die Finanzmärkte anzutreiben, wie Bernankes Rede in Jackson Hole vergangene Woche zeigte. Doch die bangen Blicke der Weltwirtschaft ruhen auf Draghi, der am (morgigen) Donnerstag den EZB-Rat leitet, von dem neue Signale in der Eurokrise erhofft werden.

Draghi hat noch Munition im Kampf gegen die Rezession und das Auseinanderbrechen der Eurozone. Die EZB könnte beispielsweise den Leitzins senken. Oder tatsächlich ankündigen, Staatsanleihen von Ländern in Not zu kaufen, um deren Kreditkosten zu senken und die Währungsunion zu stützen.

Europa in der Rezession, der Euro in Gefahr

Ethan Harris gehört zum Rechercheteam bei der Abteilung Weltwirtschaft der Bank of America Merrill Lynch. "Europa ist schon in der Rezession. Deren Banksystem ist in schlechterem Zustand als unseres. Und die Geldpolitik dort ist angeknackst. (...) Das Überleben des Euro ist in Gefahr", beschreibt Harris die dramatische Situation, in der Draghi Einfluss demonstrieren soll.

"Die EZB wird alles tun, was zum Schutz des Euro notwendig ist", versicherte Draghi im Juli. "Und glauben Sie mir, das wird genug sein." Der EU-Vertrag verbietet es der EZB, Regierungen direkt zu finanzieren. Aber sie darf Wertpapiere auf dem freien Markt kaufen, auch Staatsanleihen. Und theoretisch könnte die EZB unbegrenzt Geld drucken, um es in Staatsanleihen zu stecken

Doch Deutschlands konservative Bundesbank lehnt das Szenario ab. Aus ihrer Sicht besteht das Risiko, dass Regierungen sich an EZB-Hilfe gewöhnen und ihre Staatsdefizite nicht mehr entschieden reduzieren. Bislang steht Bundesbank-Chef Jens Weidmann mit dieser Position im EZB-Rat allein. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angedeutet, Draghis Plänen offen gegenüber zu stehen - für die Märkte Grund zu hoffen, Draghi könne im großen Rahmen eingreifen.

Draghi benötigt deutsche Zustimmung für große Lösung

"Draghi kann eine Menge tun, aber er ist durch die Politik erheblich eingeschränkt", sagt Julian Bridgen von der Beratungsfirma Macro Intelligence 2 Partners. Draghi appelliert an Deutschland, wie sein Debattenbeitrag vergangene Woche in der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" bewies. Darin warb er für Verständnis, dass "außergewöhnliche Maßnahmen" nötig sein könnten, um die Eurozone zu stabilisieren.

Der Einfluss auf die internationalen Finanzmärkten habe sich von Bernanke auf Draghi verschoben, erklärt auch David Rosenberg, Chefökonom beim kanadischen Investment-Verwalter Gluskin Sheff & Associates. Während der Rezession in den USA sei Bernanke gefragt gewesen, sagt Rosenberg. Doch jetzt, wo Europas Probleme die Bühne beherrschten, bewege die Märkte mehr, was Draghi sage und tue.

Rosenberg warnt, dass Draghi mit seinen Versprechen zu hohe Erwartungen geschürt haben könnte. Die Märkte würden nichts mehr akzeptieren, was hinter die Zusage zurückfalle, unbegrenzt Staatsanleihen aus Spanien, Italien und anderen EU-Ländern zu kaufen. Rosenberg empfiehlt dem EZB-Chef: "Er sollte besser so etwas wie eine Bazooka dabei haben, geladen und einsatzbereit."

Bernhard Condon und Paul Wiseman sind AP-Korrespondenten.

(dapd)


 


 

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