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Supermarktkette weist Kritik zurück

Gewerkschaft wirft Edeka Lohndumping vor

Zwischen der Supermarktkette Edeka (Hamburg) und der Gewerkschaft Verdi ist Streit um die Ausgliederung von Filialen aus dem Edeka-Verbund entbrannt.

Von Jürgen Voges

Edeka verwahrte sich am Montag gegen den Vorwurf, eine Übergabe von Märkten an Selbstständige diene dem Lohndumping. Wenn ein Kaufmann einen Markt übernehme, blieben "die tarifvertraglichen Rechte der Arbeitnehmer mindestens für ein Jahr bestehen", erklärte Edeka in Hamburg. Die Regionalgesellschaft Hannover-Minden habe sogar drei Jahre Bestandsschutz für Tarifverträge vereinbart. In den Zuständigkeits dieser Regionalgesellschaft fallen zahlreiche Edeka-Märkte im Nordwesten.

Verdi bemängelte demgegenüber, dass die größte deutsche Supermarktkette die Ausgliederung von Filialen zum Aufbau eines Niedriglohnbereichs nutze. "Edeka übergibt immer mehr eigene Filialen an selbstständige Händler, und danach werden häufig Tarif- durch Dumpinglöhne ersetzt", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft und bestätigte einen Bericht der Zeitung "Die Welt".

Nach übereinstimmenden Angaben von Edeka und Verdi sind derzeit 140.000 der 306.000 Edeka-Mitarbeiter bei selbstständigen Händlern tätig. Edeka privatisierte demnach seit dem Jahr 2003 rund 1.050 vorher zum Verbund gehörende Filialen. Durch die Privatisierungen hätten die Beschäftigten der Filialen oft den Schutz von Tarifverträgen oder Betriebsräten verloren, sagte die Gewerkschaftssprecherin weiter.

Edeka bezeichnete allerdings die von selbstständigen Kaufleuten geführten Märkte als Kerngeschäft der Kette. Der Verbund habe die Erfahrung gemacht, "dass Lebensmittelmärkte in der Hand von selbstständigen Kaufleuten sich wirtschaftlich langfristig deutlich besser entwickeln", erklärte die Kette. Dort liege auch die Entlohnung in der Verantwortung der selbstständigen Kaufleute.

Zudem legt Edeka nach eigenen Angaben Wert auf partnerschaftlichen Austausch mit den Gewerkschaften. Allen Mitarbeitern sei es möglich, Betriebsräte zu gründen, betonte die Kette. Der Verbund habe aber keinen Einfluss darauf, wenn Mitarbeiter dies nicht im von Verdi gewünschten Maß machen wollten.

Wohl keine Kampagne gegen Edeka geplant

Die Verdi-Sprecherin bemängelte, dass die Übergabe von Märkten an selbstständige Händler oft mit der Flucht aus dem Tarifvertrag einhergehe. Die gleiche Strategie verfolge jedoch auch die Handelskette Rewe aus Köln. Dort habe der Niedriglohnbereich allerdings nicht das gleiche Ausmaß wie bei Edeka.

Die Gewerkschaft will am Mittwoch eine Broschüre mit dem Titel "Neue schöne Handelswelt" online veröffentlichen. In der Broschüre, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, werden die privatisierten Filialen als neues Betriebsformat des Einzelhandels bezeichnet. Das habe zum Ergebnis, "dass ca. 250.000 Beschäftigte ohne tariflichen Schutz und ohne den Schutz von Betriebsräten direkt oder indirekt von Dumpinglöhnen betroffen sind".

Verdi hatte im Jahr 2004 in einem Schwarzbuch Verletzung von Arbeitnehmerrechten beim Discounter Lidl kritisiert. Vor drei Jahren warf die Gewerkschaft der mittlerweile vom Markt verschwundenen Drogeriekette Schlecker vor, im Zuge der Gründung neuer XXL-Märkte Tarifverträge auszuhebeln.

Die Sprecherin der Gewerkschaft sagte, dass gegen Edeka keine Kampagne geplant sei. Die Broschüre kritisiere eine im gesamten Lebensmittelhandel verbreitete Praxis.

(dapd)


 


 

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