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Obermann muss sich T-Mobile USA annehmen

"Wir haben 2011 überall starken Gegenwind gespürt"

"Wir haben 2011 überall starken Gegenwind gespürt. Und der wird in diesem Jahr nicht nachlassen." Telekom-Chef René Obermann griff am Donnerstag zu deutlichen Worten, um die Lage des größten deutschen Telekommunikationsanbieters zu beschreiben. Denn dem Marktführer geht es nicht gut.

Von Erich Reimann

Milliardenabschreibungen auf kränkelnde Auslandstöchter und der harte Preiskampf auf dem deutschen Heimatmarkt ließen 2011 den Gewinn um satte 67 Prozent einbrechen.

Dabei hätte es nach den Plänen Obermanns eigentlich ganz anders kommen sollen. Gerade einmal elf Monate ist es her, dass der 48-jährige die Welt mit einem Coup überraschte, der auf einen Schlag die größten Probleme des Bonner Konzerns hätte lösen können.

Im März 2011 kündigte Obermann den Verkauf der angeschlagenen US-Mobilfunktochter an den Rivalen AT&T an. Der Bonner Konzern wäre damit nicht nur das ungeliebte Sorgenkind T-Mobile USA losgeworden. Er hätte mit den Einnahmen aus dem 39-Milliarden-Dollar-Deal (30 Milliarden Euro) auch noch seinen Schuldenberg drastisch reduzieren können und Spielraum für Investitionen in Europa erhalten.

Doch die US-Behörden kippten den Milliarden-Deal. Und die Lage bei der US-Tochter stellt sich für die Telekom nun sogar noch schlechter dar als vor dem Obermann-Coup. Im vierten Quartal musste der Konzern für das USA-Geschäft Wertberichtigungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro vornehmen. Das fraß einen Großteil der von AT&T nach dem Scheitern des Megadeals gezahlten Ausfallentschädigung wieder auf.

Kein iPhone - keine Kunden

Statt das Sorgenkind los zu sein, muss Obermann nun versuchen, T-Mobile USA selbst wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Doch das dürfte schwierig werden. Denn als kleinster der vier überregionalen Mobilfunkanbieter hat T-Mobile USA im Wettbewerb mit den Rivalen Verizon, AT&T und Sprint einen schweren Stand.

So machten die US-Rivalen im Weihnachtsgeschäft glänzende Geschäfte mit dem neuen iPhone 4S. T-Mobile USA ging dagegen leer aus. Das Unternehmen hat das iPhone wegen Frequenzproblemen noch immer nicht im Angebot. Die Folge: Mehr als 800.000 Kunden kehrten der Telekom-Tochter zuletzt den Rücken.

Die Aufholjagd wird für die Telekom teuer werden. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss T-Mobile USA nun erst einmal das Netz zügig auf den neuen, schnellen Mobilfunkstandard LTE hochrüsten. Dabei helfen die von AT&T erhaltenen Frequenzen. Dennoch muss die Telekom noch einmal tief in die Tasche greifen. Rund 4 Milliarden Dollar will das Unternehmen in den kommenden Jahren zusätzlich in die Modernisierung des US-Netzwerks investieren. 2013 soll der LTE Roll-out in den USA starten.

Doch dass dies reicht, um T-Mobile USA auf Dauer wettbewerbsfähig zu machen, glaubt selbst Obermann nicht. Angesichts der hohen Netzinvestitionen und der Marktmacht der größeren Konkurrenten räumte er mit Blick auf die US-Tochter ein. "Wir brauchen langfristig Partnerschaften." Die Suche hat schon begonnen. Die Baustelle USA bleibt der Telekom vorläufig erhalten.

(dapd )


 


 

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