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Teldafax

Gläubigerversammlung für wohl größtes deutschen Insolvenzverfahren in Köln

Es ist das wohl größte Insolvenzverfahren Deutschlands: Rund 700.000 Gläubiger soll der zahlungsunfähige Billigstromanbieter Teldafax haben. Überwiegend sind es ehemalige Kunden des Strom- und Gasversorgers aus Troisdorf, die nach der Pleite um ihre Vorauszahlungen bangen müssen.

Von Erich Reimann

Kämen sie alle zur ersten Gläubigerversammlung am (morgigen) Dienstag in Köln - nicht einmal das Stadion des 1. FC Köln würde ausreichen, um die Menge zu fassen. Doch rechnet Insolvenzverwalter Biner Bähr offenbar nicht mit einem so großen Ansturm. Er hat für die Veranstaltung die Kölner Staatenhalle gemietet. Sie fast maximal 12.000 Personen. Doch auch das wäre wohl noch rekordverdächtig.

Bähr wird den Gläubigern erstmals einen Überblick über das spektakuläre Insolvenzverfahren geben. Teldafax, nach eigenen Angaben einst mit mehr als 700.000 Strom- und Gaskunden der größte unabhängige Energieanbieter Deutschlands, war im Frühsommer dieses Jahres zusammengebrochen. Mitte Juni hatte der Strom-Discounter Insolvenzantrag gestellt und wenige Tage später die Belieferung der Kunden eingestellt.

Schon zuvor hatte der Konzern ums Überleben gekämpft. In der ersten Jahreshälfte hatte Teldafax drei verschiedene Vorstandsvorsitzende und wechselte zweimal den Eigentümer - bis das Management endlich die Notbremse zog und Insolvenz anmeldete. Möglicherweise viel zu spät - die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

Schlechte Aussichten für die Gläubiger

Teldafax hatte sich nach der Liberalisierung des deutschen Strommarktes als Preisbrecher profiliert. Um Marktanteile zu gewinnen, verkaufte das Unternehmen den Strom häufig billiger, als es ihn einkaufte, wie der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner bei seinem kurzen Gastspiel als Teldafax-Chef einräumte.

Hauptleidtragende der Pleite sind die Kunden. Denn Teldafax hatte viele Verbraucher mit günstigen Vorkasse-Angeboten gelockt. Jetzt müssen die Betroffenen sehen, wie sie das Geld für die nicht gelieferte Energie zurückbekommen.

Die Aussichten sind schlecht. Insolvenzverwalter Bähr betonte im Oktober in einem Brief an die Gläubiger: "Heute ist noch nicht absehbar, ob die Insolvenzgläubiger eine Quote erhalten werden." Im Klartext: Es ist offen, ob die Teldafax-Kunden auch nur einen Bruchteil ihres Geldes wiedersehen.

"Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass sie nichts bekommen oder nur eine sehr geringe Summe", heißt es bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei einer gewöhnlichen Insolvenz sei es schon ein Erfolg für die Gläubiger, wenn fünf Prozent ihrer Forderungen bedient würden. Anders gesagt: Wenn sie von jedem Euro, den das Unternehmen ihnen schuldet, fünf Cent zurückbekommen.

Doch ist es eher unwahrscheinlich, dass Bähr den Gläubigern in der Kölner Staatenhalle schon klare Zahlen nennen kann. Dafür ist es wohl noch zu früh. In der Regel dauert es Jahre, bis ein Insolvenzverfahren abgewickelt ist.

(dapd )


 


 

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