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ThyssenKrupp

Aufsichtsrat verzichtet auf die Hälfte seiner Vergütung

Der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat zieht Konsequenzen aus dem Milliardendebakel bei Deutschlands größtem Stahlkonzern. Für das vergangene Geschäftsjahr verzichtet das zuletzt viel kritisierte Kontrollgremium auf die Hälfte seiner Vergütung, wie Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Freitag auf der Hauptversammlung des Stahlriesen in Bochum ankündigte.

Von Erich Reimann

Der Verzicht entspricht umgerechnet insgesamt rund 700.000 Euro. Cromme verliert rund 100.000 Euro.

Der Aufsichtsrat wolle mit dieser Geste seine Betroffenheit und Solidarität mit den Aktionären zum Ausdruck bringen, sagte Cromme. ThyssenKrupp hatte wegen gigantischer Fehlinvestitionen im Stahlbereich im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Verlust von 4,7 Milliarden Euro ausweisen müssen.

Cromme verteidigte vor den Aktionären gleichzeitig das Kontrollgremium gegen Vorwürfe, seinen Überwachungspflichten nicht nachgekommen zu sein. Er verwies auf Gutachten unabhängiger Experten. Danach sei der Aufsichtsrat seinen Überwachungspflichten in allen Phasen des Projekts "auf hohem Niveau gerecht geworden".

Rückendeckung bekam Cromme von ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Hiesinger sagte vor den Aktionären, es sei der Aufsichtsrat unter der Führung Crommes gewesen, der den derzeitigen Wandel bei dem Unternehmen eingeleitet habe.

Weil der Aufsichtsrat mit der Kultur bei ThyssenKrupp nicht zufrieden gewesen sei, habe man ihn von außen an die Konzernspitze geholt, sagte Hiesinger. Von Anfang an habe er für seinen Erneuerungskurs die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten, auch bei schwierigen Entscheidungen wie dem Verkauf der Edelstahlsparte oder des amerikanischen Stahlgeschäfts.

"Bei weitem noch nicht zukunftsfähig"

Der Konzernchef räumte ein, bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren sei ihm nicht annähernd bewusst gewesen, wie tiefgreifend der nötige Veränderungsprozess sein werde. "Unsere alte Führungskultur war an vielen Stellen von Seilschaften und blinder Loyalität gekennzeichnet. Fehlentwicklungen wurden lieber verschwiegen als korrigiert", sagte der Manager.

Der eingeleitete Erneuerungsprozess sei schmerzhaft. Doch gebe es dazu keine Alternative. "Wer dabei nicht mitzieht, hat bei uns nichts zu suchen", sagte Hiesinger.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation bei ThyssenKrupp betonte Hiesinger, der notwendige Konzernumbau werde mehrere Jahre dauern. Im gegenwärtigen Zustand sei der Konzern "bei weitem noch nicht zukunftsfähig". Die Profitabilität der fortgeführten Aktivitäten müsse weiter erhöht werden. Es gebe aber keine Überlegungen, sich auch vom europäischen Stahlgeschäft zu trennen.

Vorstand und Aufsichtsrat des DAX-Konzerns müssen wegen der Milliardenverluste durch Fehlinvestitionen im Stahlgeschäft, wegen der Kartellskandale und der Luxusreisen-Affären mit scharfer Kritik der Aktionäre rechnen. Deutsche Aktionärsschützer und angloamerikanische Anlegerberater empfahlen, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Die Papiere von ThyssenKrupp gehörten am Freitag zu den Verlierern an der Frankfurter Börse und büßten bis zum Mittag 1,2 Prozent auf 18,18 Euro ein.

(dapd)


 


 

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