Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Finanzen
Weitere Artikel
ThyssenKrupp

Cromme verlässt überraschend den Stahlkonzern

Ende einer Ära: ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die Konsequenzen aus der Dauerkrise beim größten deutschen Stahlkonzern gezogen und seinen Rücktritt angekündigt.

Von Erich Reimann

Der 70-jährige Manager teilte am Freitag überraschend mit, er werde sein Amt als Chefkontrolleur zum 31. März niederlegen und auch aus der mächtigen Krupp- Stiftung ausscheiden. Cromme betonte, mit dem Schritt wolle er "auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang ermöglichen".

Die Börse reagierte erleichtert auf den Schritt des Managers: Die ThyssenKrupp-Aktie schoss nach der Bekanntgabe der Cromme-Pläne um mehr als fünf Prozent nach oben. Cromme stand zwölf Jahre an der Spitze des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats. Zuvor leitete er ein Jahrzehnt lang den Krupp-Konzern und spielte eine Schlüsselrolle bei der Neuordnung der deutschen Stahlindustrie.

Angesichts einer Flut von Kartellskandalen und Korruptionsaffären sowie Milliardenverlusten durch Fehlinvestitionen in Amerika war aber in den vergangenen Monaten der Ruf nach einem Rücktritt des 70-Jährigen immer lauter geworden.

Cromme sagte: "Ich wünsche dem Unternehmen, dass es wie in der über 200-jährigen Geschichte auch aus der derzeitigen Krise gestärkt hervorgeht." Er werde sich ThyssenKrupp auch in Zukunft verbunden fühlen.

Beitz nimmt Rücktritt "mit großem Respekt" an

Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, nahm die Entscheidung Crommes "mit großem Respekt" an. Der 99-Jährige lobte die langjährige enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gerade auch in schwierigen Zeiten. Cromme galt bislang als designierter Nachfolger des Firmenpatriarchen an der Spitze der Krupp-Stiftung, des größten Aktionärs des Essener Stahlkonzerns.

ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger dankte Cromme für dessen Arbeit. Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende habe das Bild der deutschen Stahlindustrie entscheidend geprägt.

Bereits als Krupp-Konzernchef schrieb Cromme 1992 Industriegeschichte mit der "ersten feindlichen Übernahme an der Ruhr", bei der sich der Essener Traditionskonzern den Konkurrenten Hoesch einverleibte. Und Cromme war es auch, der die Weichen für die Fusion des Essener Stahlriesen mit dem Erzrivalen Thyssen zur heutigen ThyssenKrupp AG stellte.

Doch beschränkte sich der Einfluss des Managers bei weitem nicht auf die Stahlbranche. Als langjähriger Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex drückte er den Standards für gute Unternehmensführung in Deutschland seinen Stempel auf. Und bei Siemens sorgte er als Aufsichtsratsvorsitzender mit eiserner Hand für die Aufarbeitung des milliardenschweren Korruptionsskandals. Dort steht er noch heute an der Spitze des Kontrollgremiums. Daran ändere sich auch nichts, hieß es in München.

(dapd)


 


 

Gerhard Cromme
Aktie
Rücktritt
Manager
Krupp-Stiftung
Spitze
Stahlkonzern

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "ThyssenKrupp" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: