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Streik am Istanbuler Atatürk-Airport

Was Turkish Airlines-Passagieren am Dienstag widerfuhr

Am Dienstagnachmittag sitzen im Bremer Flughafenterminal die beiden Passagiere Egin Emil (23) und Constanze Klatten (30) im Bereich einer Bäckerei beisammen. Da haben sie bereits eine halbtägige Tortur hinter sich gebracht, denn der Atatürk-Flughafen in Istanbul wurde an diesem Tag vom Flugpersonal bestreikt. business-on.de sprach mit den Beiden über ihre Erlebnisse.

Von Onur Yamac

Emil war bereits um 5:00 Uhr am Dienstag aufgestanden und von seinem zentral gelegenen Hotel im europäischen Teil Istanbuls zum Atatürk-Flughafen im Stadtteil Yeşilköy aufgebrochen, der etwa 25 km südwestlich vom dortigen Zentrum entfernt liegt. Der Hamburger Student konnte nach eigenen Angaben vor Ort gegen 8:30 Uhr ganz normal einchecken. Zunächst habe es dann geheißen, dass der gebuchte Hamburg-Flug Verspätung habe. Wenig später wurde den wartenden Passagieren dann mündlich mitgeteilt, dass der Flug gecancelt worden sei, also ausfalle. Während auf den Monitoren im Abfertigungsbereich bereits das "Boarding", also das Einsteigen in das Flugzeug angezeigt wurde, machten sich die Passagiere des Hamburg-Flugs dann auf den Weg zum 500 Meter entfernt liegenden Informationsschalter, wo man den Passagieren wiederum sagte, dass man doch bitte wieder zum Gate zurückkehren solle, da das Boarding im Gange sei. Alle Passagiere machten sich daraufhin auf den Weg zurück - um schließlich am Gate angekommen noch einmal die letzte Gewissheit zu erhalten, dass der Flug doch gecancelt worden war. Mitarbeiter hätten in der Folge gefragt, "ob wir nach Bremen flliegen wollen, Hamburg wäre erst am Mittwoch gegangen",so Emil.

"Und da war total Chaos - Leute haben sich da angerempelt." (Passagier Engin Emil)

Daraufhin habe man unter den Passagieren eine Gruppe geformt und sei gemeinsam zum zuständigen Transitschalter gegangen. "Und da war total Chaos - Leute haben sich da angerempelt, " so Emil, der mit einem Augenzwinkern sogleich auch einen bildlichen Vergleich für den weiteren Verlauf findet: "Es war so, als wäre Krieg und alle Deutschen kämpfen um Essensrationen." Man habe dann einem Mitreisenden alle Pässe in die Hand gedrückt, der wiederum die Tickets nach Bremen geholt habe. Insbesondere für ältere Passagiere und Familien mit Kindern sei die insgesamt 45 Minuten dauernde Hektik eine richtige Tortur gewesen, so der Hamburger Student.

In der Folge sei man dann gegen 12:10 Uhr mit Turkish Airlines am Atatürk Airport in Istanbul gestartet - allerdings erneut mit Verspätung: regulär geplant war der Flieger für 11:10 Uhr. Andere, die auf eine Umbuchung nach Hamburg bestanden hätten, hätten allerdings am Istanbuler Flughafen festgesessen. "Wir haben Glück gehabt, dass wir nach Bremen umgebucht haben," so Emil. Einer seiner Freunde, der nach Berlin geflogen sei, habe allerdings ebenfalls Glück gehabt: dessen Flugzeug sei ganz regulär gestartet.

Gepäck kam nicht in Bremen an

Doch in Bremen die nächste böse Überraschung: vergebens warteten die Passagiere auf ihr in Istanbul aufgegebenes Gepäck. Daraufhin musste jeder Passagier eine Verlustmeldung am "Lost & Found"-Schalter abgeben, um - hoffentlich wieder - an das verloren gegangene Fluggepäck zu gelangen, welches in solchen Fällen üblicher Weise nach Hause geliefert wird.

Da Emils eigentliches Ziel am Dienstag Hamburg war, organisierte Turkish Airlines einen Bus in die Hansestadt. Der fuhr in Bremen mit einem Dutzend Hamburg-Passagieren um 16:30 Uhr los. Engin Emil und die unabhängig von ihm reisende Constanze Klatte waren da schon über 10 Stunden auf Trab. Inklusive Hamburg-Fahrt hatte sich die üblicher Weise zweieinhalb Stunden dauernde Reisedauer auf weit über einen halben Tag verlängert. Immerhin: für die Wartezeit zwischen Ankunft und Bustransit nach Hamburg verteilte eine freundliche Mitarbeiterin von Turkish Airlines am Bremer Flughafen anstandlos Verzehrgutscheine im Wert von 10 Euro.

Am Service der Fluggesellschaft haben Emil und Klatte nach eigenen Angaben auch nichts auszusetzen. Im Flugzeug sei alles okay gewesen, aber zuvor am Flughafen hätten chaotische Zustände geherrscht.

Tarifkonflikt nicht Ursache für Streiks

Warum am Atatürk-Airport in Istanbul gestreikt wurde, wussten Emil und Klatte am Dienstag nicht. Bei Turkish Airlines am Bremer Flughafen hieß es, dass schlechtes Wetter Grund für die Verzögerungen sei, nicht jedoch der von den beiden Passagieren angeführte Streik. Tatsächlich ging es bei dem Bummelstreik der Turkish Airlines-Beschäftigten am Istanbuler Atatürk-Airport nicht etwa um einen Tarifkonflikt, sondern um ein äußerst umstrittenes Gesetz: das Flughafenpersonal soll nach dem Willen der Regierung in Ankara sein Streikrecht verlieren.

(Redaktion)


 


 

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