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Wegen Streik entlassene 305 Mitarbeiter

Gewerkschaft fordert von Turkish Airlines Wiedereinstellung

Die Fluggesellschaft Turkish Airlines hat Ende Mai auf einen Schlag 305 Mitarbeiter entlassen. Vorangegangen war ein Bummel-Streik am Istanbuler Atatürk Airport, durch den 130 Flüge ausgefallen waren (business-on.de berichtete). Mit einer weltweiten Kampagne fordert nun "Hava Is", die türkische Gewerkschaft der Flughafenarbeiter, die Wiedereinstellung.

Sich gewerkschaftlich organisieren, streiken oder Tarifverhandlungen führen - das sind grundlegende Rechte, auf die sich die Arbeitnehmer in vielen Ländern stützen können. Nicht aber in der Türkei.

In der Türkei dürfen Beschäftigte in einigen Bereichen des öffentlichen Sektors keine Gewerkschaften bilden bzw. sich bestehenden Gewerkschaften anschließen oder Tarifverhandlungen führen. Auch das Streikrecht wird allen Beschäftigten des öffentlichen Sektors verweigert. Auch in der Privatwirtschaft bleiben die Rechte auf Organisationsfreiheit und die Bildung von Gewerkschaften hinter internationalen Standards zurück. Zwar hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) detaillierte Vorschläge gemacht, wie die Gesetze in der Türkei geändert werden müssten. Doch diese Empfehlungen wurden nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall  bislang nicht umgesetzt. Die Forderungen der ILO betreffen die Organisationsfreiheit, das Streikrecht und das Recht auf Kollektivverhandlungen im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

Nichts fürchten Arbeitgeber und Staaten mehr, als dass Verletzungen von Menschen- und Gewerkschaftsrechten in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Auch Amnesty International hat sich bereits für die Rechte von Arbeitern in der Türkei eingesetzt. Die Aktion lief bis Ende August 2011. Mit der Postkartenaktion wurde der Minister für Arbeit und Soziales in der Türkei zu Gesetzesänderungen im Sinne der ILO-Empfehlungen aufgefordert.

Die viertgrößte Fluggesellschaft Europas

Die türkische Regierung ist Hauptanteilseigner der Airline. Die Regierungsmehrheit bildet mit 326 Abgeordneten die Partei AKP. Sie hat die absolute Mehrheit im Parlament in Ankara. Turkish Airlines ist zugleich 32 Mio. Passagieren järhrlich die viertgrößte Fluggesellschaft Europas.

Die Airline stellte unmittelbar nach den Massenentlassungen am Istanbuler Atattürk-Airport am 6. Juni 2012 in Deutschland ein  Kunstprojekt vor: laut eigener Mitteilung bedankte sich "Europas erfolgreichste Airline bei ihrer Belegschaft für den [...] Höhenflug der letzten Jahre." Auf einer eigens gestalteten Boeing 737-800 wurden rund 17.000 Gesichter von Mitarbeitern gezeigt. Zynisch: Die Fluggesellschaft gab in der selben Mitteilung an: "Die Dankesgeste bezieht nicht nur die aktuellen, sondern auch ehemalige Mitarbeiter ein." 

Solidaritätsbekundungen auch aus dem Ausland

Solidaritätsbekundungen kamen inzwischen auch aus Deutschland, darunter von IG Bau-Gewerkschaftschef und DGB-Vorstand Klaus Wiesehügel, vom Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko, der zwischenzeitlich eigens zum Atatürk-Airport nach Istanbul reiste; und von SPD-Europapolitikerin Jutta Steinruck.

Während Hunko vor Ort darauf hinwies, dass Turkish Airlines 305 Arbeiter mit einer SMS wegen eines Bummelstreiks gekündigt habe und es "inakzeptabel sei, was in Istanbul passiert sei, stellte Steinruck am 10 Juli im Europaparlament eine Parlamentarische Anfrage. Sie warf die Frage nach der Legitimität eines kurz nach dem Bummelstreik von der  türkischen Regierung verabschiedeten Gesetzes auf. Dieses verbietet das Streikrecht für Arbeiter im Flugbereich. Gegen eben diese Maßnahme hatte sich der Bummelstreik Ende Mai gerichtet. Steinruck forderte daher in ihrer Anfrage in Brüssel größeren Druck auf die Türkei

Die Flughafenarbeiter-Gewerkschaft "Hava Is" hat inzwischen eine großangelegte Kampagne gegen die Airline ins Leben gerufen und ruft zur Wiedereinstellung der entlassenen 305 Istanbuler Mitarbeiter auf. Inzwischen fanden Solidaritätsaktionen auch im Ausland statt: am Frankfurter Flughafen wurde mehrfach auf das Schicksal der Istanbuler Mitarbeiter aufmerksam gemacht, ebenso vor Turkish Airlines Verkaufsstellen in London und Wien.

Wien: Tumulte in Reisebüro

In Wien kam es am Freitag zu Tumulten in einem Reisebüro, weil offensichtlich 10 kurdische Aktivisten die Verkaufsstelle gestürmt und Transparente angebracht hatten. Ein Mitarbeiter hatte in der Folge laut Medienberichten unvermittelt zum Pfefferspray gegriffen. Der Inhalt der Sprühdose sorgte allerdings auch dafür, dass nachher 15 Wiener Polizeibeamte ambulant versorgt werden mussten. Der Mitarbeiter wurde vorläufig festgenommen.

Eine Reaktion von Turkish Airlines zur Wiedereinstellungskampagne der Gewerkschaft steht bislang noch aus. Der öffentliche Druck wird von "Hava Is" derweil unvermindert aufrecht erhalten: Auch während der Olympischen Sommerspiele in London haben schon Protestaktionen der Gewerkschaft stattgefunden.

Aktualisiert: 30.7.2012

(Red. / oy)


 


 

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