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Nach Gewerkschafts-Protesten

Ankara nimmt Streik-Verbot für Flughafen-Mitarbeiter zurück

Wendung im Streit zwischen Gewerkschaften und Regierung um die Rechte von Bediensteten in der zivilen Luftfahrt der Türkei: das erst jüngst verabschiedete Gesetz, wonach es Flughafen-Arbeitern verboten ist zu streiken, ist von der Regierung in Ankara wieder kassiert worden.

Von Onur Yamac

Ende Mai hatte 2012 hatte die staatlich dominierte Fluggesellschaft Turkish Airlines auf einen Schlag 305 Mitarbeiter entlassen. Vorangegangen war ein Bummel-Streik am Istanbuler Atatürk Airport, durch den 130 Flüge ausgefallen waren (business-on.de berichtete). Mit einer weltweiten Kampagne unter dem Motto "Brutally Yours" fordert die türkische Flugarbeiter-Gewerkschaft "Hava Is" von Turkish Airlines seither die Wiedereinstellung der Entlassenen.

Der Präsident der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft ITF, Paddy Crumlin, machte am Donnerstag in einer Erklärung deutlich, dass das türkische Anti-Streik-Gesetz für Flughafen-Arbeiter fundamentale Gewerkschafter-Rechte, Standards der Internationalen Arbeits-Organisation ILO sowie EU-Normen verletze.

Überschaubare Unterstützung aus Deutschland

Von deutscher Seite blieb die Unterstützung bislang überschaubar; in die hiesigen Medien schaffte es das Thema praktisch gar nicht.

Solidaritätsbekundungen kamen immerhin von IG Bau-Gewerkschaftschef und DGB-Vorstand Klaus Wiesehügel, vom Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko und von der SPD-Europapolitikerin Jutta Steinruck. Hunko war selbst nach Istanbul zum Atattürk-Airport gereist, wo die Turkish Airlines-Mitarbeiter entlassen worden waren.

Internationaler Fauxpas in Oldenburg

Einen Fauxpas leistete man sich im nordwestdeutschen Oldenburg. Nachdem der städtische Zuschuss für das Internationale Oldenburg-Filmfestival erneut gekürzt worden war, hatte sich der Veranstalter intensiv um neue Sponsoren bemühen müssen: Darunter neben dem Flughafen Bremen auch die im Zusammenhang mit den Massenentlassungen in der Kritik stehende Airline.

Obwohl ausgerechnet in Oldenburg über die Massenentlassungen in Istanbul berichtet worden war und "Hava Is" mit der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft ITF umfangreiches Kampagnenmaterial zur Verfügung gestellt hatte, sah sich kein örtlicher Gewerkschafter zu Solidaritätsbekundungen in der Lage. Auch aus der Oldenburger Kommunalpolitik war nach der wiederholten Kürzung des städtischen Filmfest-Beitrags keine Kritik zu vernehmen.

Turnaround zum Bayram

Am Donnerstag, dem Beginn des traditionellen islamischen Opferfestes (Bayram),  vollzog die islamisch-gemäßigte AKP-Regierung in Ankara schließlich den Turnaround und kündigte an, selbst ein Opfer bringen zu wollen: das Gesetz wird kassiert. Vorangegangen waren Gespräche zwischen dem Generalsekretär der ITF, David Cockroft, und dem türkischen Arbeitsminister.

Cockroft hofft nun, dass auch Turkish Airlines Anstrengungen unternimmt, die entlassenen 305 Mitarbeiter wieder einzustellen. Diese waren zuweilen mit Kurznachrichten auf dem Handy von der Airline über ihre Entlassung informiert worden. Nach Angaben des ITF-Generalsekretärs hat der türkische Arbeitsminister zugesagt, sich für die Wiedereinstellung der Entlassenen bei Turkish Airlines stark zu machen.

Die türkische Regierung ist Hauptanteilseigner der Airline. Mit 32. Mio Passagieren ist Turkish Airlines die viertgrößte Airline Europas.

"Buchstäblich alle Mitarbeiter an Bord"

Turkish Airlines hatte unmittelbar nach den Massenentlassungen am Istanbuler Atatürk-Airport im Juni 2012 eine umgestaltete Boeing 737-800 in Deutschland präsentiert. Auf dem Flieger wurden rund 17.000 Gesichter von Mitarbeitern gezeigt. Die Fluggesellschaft gab in einer Mitteilung an, dies sei als Dankesgeste zu verstehen und man beziehe nicht nur die aktuellen, sondern auch ehemalige Mitarbeiter ein. Das kam manchem Betrachter zuweilen spanisch vor.

Die Fluggesellschaft schrieb damals aber auch: "Turkish Airlines nimmt buchstäblich alle Mitarbeiter an Bord."

(Red. / oy)


 


 

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