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Umbau der Autoindustrie

Kretschmann-Pläne finden kaum Zustimmung

Die Pläne des designierten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) zum ökologischen Umbau der deutschen Autoindustrie sind auf wenig Gegenliebe gestoßen. CSU-Chef Horst Seehofer sagte am Dienstag, es sei "ein bislang einmaliger Vorgang", dass sich der designierte Ministerpräsident eines deutschen Autolandes "offen gegen eine zentrale Säule des eigenen Wohlstands" stelle. FDP-Generalsekretär Christian Lindner erklärte, es seien gerade die Beschäftigten der exportstarken Autoindustrie, die den Wohlstand erwirtschafteten, den die Grünen verteilen wollten.

Kretschmann hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, in Zukunft müssten Mobilitätskonzepte verkauft werden und nicht nur Autos. Dazu gehörten Laufen, Fahrrad fahren, Autofahren und Eisenbahnfahren. "Das müssen wir so klug vernetzen, dass man gut vorankommt und die Umwelt schont." Die Autoindustrie in Baden-Württemberg müsse sich aber wegen der Wahl eines Grünen zum Ministerpräsidenten keine Sorgen machen. "Weniger Autos sind natürlich besser als mehr", sagte Kretschmann. Die Branche müsse daher in Zukunft "Autos bauen, die viel weniger Sprit verbrauchen".

Aus Sicht von Seehofer hat die Autoindustrie in Baden-Württemberg damit kein "langfristig verlässliches Umfeld" mehr. "Winfried Kretschmanns Äußerung zeigt: In Deutschland gibt es klare politische Alternativen", sagte Seehofer. "Mit grüner Planwirtschaft wird Deutschland die Zukunft nicht gewinnen."

Für Lindner kommt der Vorstoß des designierten Regierungschefs zu schnell: "Herr Kretschmann sollte diese Branche deshalb erst einmal sprechen, sie pflegen und nicht vorsorglich in Ketten legen", sagte er. Die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft kämen aus Baden-Württemberg: "Dort wird diese Ordnungsidee des Vorrangs privater Entscheidung vor staatlichem Kommando nun abgewickelt", sagte der FDP-Politiker.

"Schneller als die Wettbewerber"

Nach Meinung des Präsidenten des Verbands der deutschen Automobilindustrie, Matthias Wissmann, liegt Baden-Württemberg bei der Produktion umweltfreundlicher Autos bereits vorn: "Wenn Herr Kretschmann grüne Autos sehen möchte, dann braucht er sich nur die Produkte anschauen, die in seinem Heimatland vom Band laufen", sagte Wissmann dem Berliner "Tagesspiegel".

Die deutschen Premiummarken kämen bei der Kohlendioxid-Reduzierung "schneller voran als ihre Wettbewerber". Die CO2-Emissionen seien hier in den vergangenen Jahren überproportional gesenkt worden, erklärte Wissmann. Zudem sei die Produktion von Premiumautos "entscheidend für den Industrie- und Innovationsstandort Deutschland: Sechs von zehn Arbeitsplätzen bei den Automobilherstellern hängen am Premiumsegment".

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, der Konzern wisse, "wo unsere Zukunft liegt und wie wir uns entwickeln werden". Als Beispiel nannte er in der Illustrierten "Bunte" die neue A-Klasse, die "niedrige Verbräuche aufweisen" werde. Er sei außerdem überzeugt, dass die neue Regierung in Baden-Württemberg "großes Interesse daran hat, zu zeigen, dass ein extrem erfolgreiches Bundesland diesen Erfolgsweg nicht verlassen muss". Die Zeitschrift hat das Interview mit Zetsche schon in der vergangenen Woche geführt, also vor den Äußerungen Kretschmanns.

(dapd )


 


 

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