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Veranstaltung bei VW

Unternehmen: Motor oder Bremse der Integration?

Für Deutsche und für Menschen aus aller Herren Länder, die in Deutschland leben, arbeiten oder Arbeit suchen, wird der technokratische Verschleierungs-Begriff „Migrationshintergrund“ zu oft gedankenlos gebraucht. Da ist es sinnvoll, wenn eine Weltmarke wie VW und die älteste deutsche Bürgerinitiative, die 1957 nach angelsächsischem Vorbild gegründete "Aktion Gemeinsinn", gemeinsam einen Weg suchen.

Von Helmut Herles

Es war am Berliner Sitz der VW-Repräsentanz: Das Thema der Veranstaltung  "Unter den Linden 21" klang fast zu abstrakt und die rhetorische Frage der Veranstalter geradezu herausfordernd: „Unternehmen – Motor oder Bremse der Integration? Aber wie die Experten antworteten, das lässt auf Fortsetzung solcher Begegnungen hoffen. Mit der kurz zuvor wiedergewählten Vorsitzenden der Aktion Gemeinsinn, der Parlamentarischen Staatssekretärin a. D. Dr. Cornelie Sonntag Wolgast und dem für „CSR“ und Nachhaltigkeit bei der Volkswagen AG zuständigen Dr. Gerhard Prätorius diskutierten: Prof. Dr. Klaus J. Bade von der Uni Osnabrück. Er hielt ein anregendes Impulsreferat im angelsächsischen Stil der freien Rede. Als Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration betonte er den Zusammenhang von Arbeit und Integration – und umgekehrt – als zwei Seiten derselben Medaille.

Barbara John von der Berliner Senatsverwaltung beklagt "Zunftschranken wie im Mittelalter"

Prof. Barbara John, Koordinatorin für Sprachförderung bei der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Kultur und demnach zuständig für den Kern jeder Integration, beklagt die bürokratischen Hemmnisse für die Selbständigkeit kleinerer und mittlerer Unternehmer ausländischer Herkunft durch „Zunftschranken wie im Mittelalter“. Ein türkischer Schneider dürfe deshalb nur Änderungen machen, obwohl er meist viel mehr könne. Für Sprachkompetenz sind nicht zuletzt die Medien verantwortlich. Dazu bekannte sich der Programmdirektor des Deutschlandradios Dr. Günter Müchler. Er bedauert zugleich, dass es schwierig für deutsche Sendungen wie Radio Europa oder Radio Multikulti sei, ihr erwünschtes Publikum zu erreichen. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk trete dennoch unbeirrt für Integration ohne Nivellierung der kulturellen Unterschiede ein. Wie Integration gelingen kann, ohne dass jemand seinen türkischen Ursprung verleugnet, verkörpert der Europa-Abgeordnete Vural Öger. Er ist einer der vielen aus der Einwanderung nach Deutschland hervorgegangenen Unternehmer, die längst hier Arbeitsplätze geschaffen haben und damit für den sozialen Frieden insgesamt etwas leisten.

Nach einer aktuellen Studie der OECD fällt Deutschland im internationalen Wettbewerb um hoch qualifizierte Arbeitskräfte zurück

Ursache und Hintergrund dieser Diskussion: Im Grunde braucht Deutschland mehr und nicht weniger Einwanderer. Nach einer aktuellen Studie der OECD fällt Deutschland im internationalen Wettbewerb um hoch qualifizierte Arbeitskräfte, aber auch um einfachere Tätigkeiten etwa in der Altenpflege oder der Gastronomie zurück. Also kein Wunder, wenn sich gerade Unternehmer als Motor der Einwanderung verstehen. Wobei in dieser Berliner Diskussion die Industrie wie VW, auch bei der Integration von Behinderten, insgesamt besser wegkam als Politik, Bürokratie und Handwerk. Nebenbei warf ein VW-Mann eine Umbenennung der Aktion Gemeinsinn in den Raum, da Gemeinsinn heute nicht mehr von allen verstanden wird und man bei "gemein" nicht zu allererst an allgemein oder Gemeinwohl denke. Er begrüßte seine Partner in Berlin als die „Aktion GEMEINSAM“. Warum sollte es nicht noch mehr solche gemeinsamen Aktionen geben wie jene von VW und Gemeinsinn in Berlin?

Eine Bilderstrecke von der Veranstaltung finden Sie hier

Dr. Helmut Herles, freier Journalist, war früher F.A.Z. - Korrespondent in Bonn und Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers

(Redaktion)


 


 

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