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Kommentar von Thomas List

Operativ noch viel zu tun: Zum Gewinneinbruch der US-Investmentbank Goldman Sachs

Um mehr als die Hälfte ist der Quartalsgewinn der US-Investmentbank Goldman Sachs eingebrochen. Es wäre noch schlimmer gekommen, hätten sich die Erwartungen der Analysten bewahrheitet. Sie hatten mit rund der Hälfte des Quartalsgewinns von 908 Mill. Dollar gerechnet.

Ein großer Teil des Gewinnrückgangs ist der Vorzugsdividende für die 5 Mrd. Dollar schwere Kapitalspritze von Warren Buffetts Berkshire Hathaway geschuldet. Diese Last ist die Bank seit vorgestern los. Bleibt aber in Jahresfrist immer noch ein operatives Minus - am Vorsteuerergebnis festgemacht - von immerhin einem knappen Viertel. Dabei schlägt wie bei anderen US-Banken das schwierige Umfeld durch. Bei Handelsgeschäften für Kunden mit Kredit- und Zinsprodukten, Währungen und Hypotheken wurden unterm Strich 2,3 Mrd. Dollar weniger eingenommen als ein Jahr zuvor. An dieser Stelle tut sich bei Goldman das größte Ertragsloch auf. Immerhin konnte die Bank ihr Ergebnis in diesem Bereich im Vergleich zum vierten Quartal 2010 mehr als verdoppeln.

Die Bank hätte es bitter nötig, dass der Aufwärtstrend in ihrem Kerngeschäft anhält. Denn sie steht mit einer Fülle von Rechtsstreitigkeiten im Feuer. Für eine Einigung mit der US-Wertpapieraufsicht SEC mussten 2010 schon 550 Mill. Dollar berappt werden. Weitere Lasten von 3,4 Mrd. Dollar aus Klagen rund um die Finanzkrise erscheinen der Bank nach eigenen Aussagen als "durchaus wahrscheinlich".

Von den Altlasten der Krise befreien

Goldman Sachs muss also operativ dringend vorankommen. Wo die Reise bei den Erträgen hingehen sollte, zeigen der Bereich Investment Management (Vermögensverwaltung) und das Emissionsgeschäft. Zweistellige Zuwachsraten in der Vermögensverwaltung sind die Belohnung dafür, dass man bei der Zusammensetzung der verwalteten Assets ein gutes Händchen hatte. Dabei schwimmt die Bank im Trend anderer US-Institute mit. Im Trend liegt aber auch das boomende Anleihe -Emissionsgeschäft. Hier liegt die Bank mit ihrem Geschäft richtig, wie das Startquartal zeigt.

Der Bank muss es aber auch gelingen, den Mitarbeiteraufwand zu begrenzen. Die Mitarbeitervergütungen des ersten Quartals, die 5% unter denen des ersten Quartals 2010 lagen, könnten ein Hinweis darauf sein, dass dies glückt.

Gelingt es jetzt noch, sich von den Altlasten der Krise zu befreien, kann Goldman auch mit dem im Vergleich zum Handel risikoärmeren Emissions- und Vermögensverwaltungsgeschäft gut verdienen - ohne den buffettschen Rettungsanker und ohne ständige Rechtshändel.

Der Autor schreibt für die in Frankfurt/Main erscheinende "Börsen-Zeitung".

(Redaktion)


 


 

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