Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Finanzen
Weitere Artikel
Die verschuldeten Staaten von Amerika

Den USA droht der selbst verschuldete Staatsbankrott

Bis zum 2. August haben die Vereinigten Staaten Zeit, dann geht nichts mehr. Einigen sich Republikaner und Demokraten bis dahin nicht, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Weil die genehmigte Obergrenze für die Staatsschulden von 14.300 Milliarden Dollar (knapp 9.880 Milliarden Euro) erreicht ist, würde sogar das Drosseln der Ausgaben in einem sogenannten Government Shutdown nicht ausreichen, um sich Luft zu verschaffen.


Von Stephan Radomsky

Ein völliger Zahlungsausfall wäre ein Novum für die USA - mit unabsehbaren Folgen für das Land und die Weltwirtschaft. Am Montag hatte US-Präsident Barack Obama in einer Fernsehansprache gewarnt, das Land sei dem gefährlich nah. Investoren reagierten am Dienstag mit Verkäufen: Der Dollar verlor in der Spitze ein Prozent, und auch die europäischen Börsen gaben nach. "Spätestens wenn die Märkte nervös werden, dann wird man sich einigen", glaubt allerdings Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Furcht vor "einem noch größeren Donnerwetter"

Eigentlich könnten sich die USA, noch immer größte Volkswirtschaft der Erde, weiterhin problemlos bei privaten Gläubigern mit neuem Geld versorgen. Das Land ist zwar das am höchsten verschuldete der Welt, und die Konjunktur lahmt nach der globalen Wirtschaftskrise noch immer - trotzdem gelten US-Schulden bisher noch als sicher. Allerdings steigen die Verbindlichkeiten rasant, allein im Ende September abgelaufenen Haushaltsjahr 2010 um 1.294 Milliarden Dollar. Das entsprach neun Prozent der Wirtschaftsleistung. Und die Ratingagenturen haben angekündigt, das Land schlechter zu bewerten, falls der Streit nicht beigelegt wird.

Die Explosion der Schulden hat verschiedene Gründe. So hat Obama versucht, die US-Wirtschaft mit Steuer -Milliarden anzukurbeln, bisher aber mit wenig Erfolg. Und Amtsvorgänger George W. Bush habe mit einer "Butter-und-Kanonen-Politik" aus Steuersenkungen und hohen Kriegsausgaben das Defizit befeuert, sagt DGAP-Experte Braml.

"Amerika lebt öffentlich und privat auf Pump."

Der aktuelle Streit sei dem "bereits stattfindenden Wahlkampf geschuldet", glaubt Braml. Das wirkliche Problem, der Schuldenberg, werde dagegen bei dem Schaulaufen kaum thematisiert. Der Wissenschaftler rechnet aber "mit einem noch größeren Donnerwetter", sollten die USA ihren Haushalt nicht schnell grundlegend sanieren. "Spätestens nach den nächsten Präsidentschaftswahlen wird es grundlegende Veränderungen geben müssen."

Der Euro könnte zulegen

Der Zeitdruck ist momentan deshalb so hoch, weil die Obergrenze für Staatsschulden erreicht ist. Damit kann sich die Regierung keine Luft mehr verschaffen, indem sie nicht unbedingt notwendige Ausgaben in einem Government Shutdown stoppt. Den gab es auf Bundesebene zuletzt 1995/96, als Demokraten und Republikaner um Geld für Bildung, Gesundheitsversorgung und Umweltschutz kämpften. Damals blieben etwa Nationalparks und Museen geschlossen, Anträge für Tausende Reisepässe und Visa blieben täglich unbearbeitet.

Wie die Welt nun reagieren könnte, falls Washington zahlungsunfähig wird, will Braml nicht vorhersagen. "Die Märkte handeln nicht rational", sagt der Wissenschaftler. "Man weiß nicht, wo die Herde hinrennen wird." Es sei erstaunlich, dass der Streit nicht bereits für mehr Unruhe unter Investoren gesorgt habe und noch immer alles auf Europa schaue. "Ich befürchte aber, dass der Euro bald schon von vielen Anlegern als Rettungsanker bevorzugt wird." Dann würde sich der Euro verteuern - und die deutsche Exportwirtschaft könnte leiden.

(dapd )


 


 

USA
Exportwirtschaft
Streit
Dollar
Märkte
Wissenschaftler
Geld
Government Shutdown

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "USA" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: