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Atlas-Werke

Urabstimmung in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee

Am Montag stimmen die streikenden Mitarbeiter der Atlas-Werke an den drei Standorten Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee in einer Urabstimmung über das erzielte Verhandlungsergebnis zwischen der Atlas-Geschäftsführung und des Atlas Gesamtbetriebsrat ab. Vorangegangen waren zwölfstündige Verhandlungen bis in die Nacht. Am frühen Freitagmorgen vergangener Woche konnte schließlich ein Ergebnis erzielt werden.

Beim niedersächsischen Maschinenbauer (u.a. Bagger und Krane) sind an den drei Standorten Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee insgesamt rund 650 Arbeitnehmer beschäftigt. Bis zum Frühjahr 2010 gehörte der Betrieb zum US-Konzern Terex, wurde dann aber im März 2010 durch den früheren Terex-Manager Fil Filipov für einen Euro übernommen. Der neue Eigentümer weigerte sich wochenlang, in Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall zu treten. Auch ein gemeinsamer Vermittlungsversuch der Bürgermeister an den drei Atlas-Standorten verhallte wirkungslos.  

Kuriose Szenen an den Atlas-Standorten

Zwischenzeitlich ließ die Geschäftsführung Kameras aufbauen und filmte die Streikenden, musste diese aber nach einem Vermittlungstermin vor Gericht wieder abbauen und die Daten löschen. Auch ein Betriebsrat dem Hausverbot erteilt worden war, durfte nach einem Gerichtstermin  letztlich wieder auf das Werksgelände zurückkehren. Da die Atlas-Händler aufgrund der ausbleibenden Lieferungen von Kranen und Baggern in Bedrängnis gerieten, spielten sich auf dem Gelände der Atlas-Standorte teils kuriose Szenen ab: Traktoren-Gespanne fuhren beispielsweise in Delmenhorst einfach Zäune um, um auf das Betriebsgelände zu gelangen und einige der wenigen fertig montierten Krane abzutransportieren, in Ganderkesee wurde zeitgleich die Belieferung des Werks mit Hubschraubern sichergestellt, nachdem Streikende dort das Werkstor besetzt gehalten hatten. 

Streik: Mitarbeiter aus anderen Atlas-Werken eingesetzt

Während des Streiks waren Mitarbeiter aus anderen Atlas-Werken in Lauenbrück und Nordhessen sowie von Zeitarbeitsunternehmen an die drei bestreikten Standorte abgestellt worden, um die Produktion - mehr schlecht als recht - aufrecht zu erhalten. Seit dem 15. November konnten die Werke schließlich wieder unter erschwerten Bedingungen mit Teilen beliefert werden und wenige Krane und Bagger ausliefern. Die Gewerkschaft IG Metall entfristete daraufhin den Streik.

Hinter den verhärteten Fronten steckte die Absicht Filipovs, die Atlas-Werke umfassend zu sanieren. Diese waren von Alt-Eigentümer Terex abgestoßen worden, weil sie nicht genügend Ertrag abgeworfen hatten. Filipov gab immer wieder an, dass er den Sanierungserfolg im Falle eines Tarifvertrags gefährdet sehe.

Atlas-Mitarbeiter: Tarifverträge gelten weiter

Nach der erzielten Einigung gelten die Tarifverträge der 650 Beschäftigten der Atlas-Werke in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee weiter. Zuvor waren Mitarbeiter laut der Gewerkschaft IG Metall umgruppiert, entlassen und zu schlechternen Konditionen beschäftigt worden. Die Mitarbeiter sollen nach der erzielten Einigung zudem die für den 1. Mai 2011 vorgesehene Tariferhöhung von 2,7 Prozent erhalten. Die Arbeitsbedingungen sollen durch eine Gesamtzusage kollektiv abgesichert werden, heißt es von einem Verhandlungspartner.

"Mit der Einigung sind auch alle Kündigungen und Strafanträge durch die Geschäftsführung vom Tisch. Damit ist für uns eine Grundlage für eine vernünftige Zusammenarbeit von Unternehmensleitung und Beschäftigten geschaffen", ergänzte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oldenburg, Hartmut Tammen-Henke. "Wir haben außerdem erreicht, dass auch für neu eingestellte Mitarbeiter unsere Tarifverträge gelten." Bei der Bezahlung von befristet Beschäftigten könne maximal für zwölf Monate vom Tarifvertrag abgewichen werden, sagt er. dennoch handelt es sich dabei nicht um einen Tarifvertrag der IG Metall, sondern um einen Einzeltarifvertrag. "Trotzdem haben wir viel erreicht: Die tariflichen Regelungen wie die 35-Stunden-Woche sowie Urlaubs- und Sonderzahlungen gelten bei Atlas weiter," so der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Atlas Maschinenbau GmbH, Holger Rigbers. Dass die streikenden Atlas-Mitarbeiter der erzielten Einigung zustimmen gilt als wahrscheinlich.

(Onur Yamac)


 


 

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