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Telekom erhält drei Milliarden Dollar

Der Verkauf der schwächelnden US-Mobilfunktochter an AT&T ist gescheitert

Mit Milliardeneinnahmen aus dem Verkauf ihres amerikanischen Mobilfunkgeschäfts wollte die Deutsche Telekom ihren Schuldenberg abbauen und Spielraum für Investitionen in Europa bekommen. Doch der Plan zum Verkauf der ungeliebten Tochter an den US-Konkurrenten AT&T ist am Widerstand der US-Wettbewerbsbehörden gescheitert. Jetzt muss Telekom-Chef René Obermann einen anderen Weg finden, um den deutschen Marktführer zukunftsfest zu machen.

Von Erich Reimann

Nur wenige Stunden nach dem endgültigen Scheitern des 39-Milliarden-Dollar-Deals (30 Milliarden Euro) bemühte sich der Konzernchef am Dienstag zunächst darum, Ängste der Mitarbeiter zu zerstreuen. Ein weiteres Sparprogramm in Deutschland sei wegen des geplatzten Mega-Deals nicht notwendig. Die Geldspritze hätte Obermann zufolge zwar "mit einem Schlag" vieles leichter gemacht. "Aber es geht auch so", sagte der Manager.

Widerstand der US-Kartellbehörden

Telekom und AT&T beugten sich in der Nacht zum Dienstag nach zähem Ringen dem erbitterten Widerstand der US-Wettbewerbs-Behörden und beerdigten den vor neun Monaten vereinbarten Milliardendeal. Obermann sagte, die Konzerne hätten zuletzt Zugeständnisse angeboten, die an die Grenzen des betriebswirtschaftlich Möglichen gegangen seien. Doch habe es bei den US-Behörden keine Bereitschaft zu einem Kompromiss gegeben.

Der Bonner Konzern hatte gehofft, durch den Verkauf des Sorgenkindes nicht nur eine aufwendige Aufholjagd gegen die zuletzt übermächtige Konkurrenz vermeiden zu können, sondern auch noch Milliarden für den Schuldenabbau und Investitionen in Europa freizusetzen.

Nun muss die Telekom rasch eine neue Strategie für den amerikanischen Markt finden. Als kleinster der vier überregionalen Mobilfunkanbieter hat T-Mobile USA im Wettbewerb mit den Rivalen Verizon, AT&T und Sprint einen schweren Stand.
"Die höchste je ausgehandelte Ausfallsumme"

Erleichtert wird dies Obermann zufolge durch Ausfallzahlungen von AT&T, die im Vertrag für den Fall eines Scheiterns vereinbart waren. Der Bonner Konzern erhält Obermann zufolge "die höchste je ausgehandelte Ausfallsumme". Neben einer Barabfindung in Höhe von drei Milliarden US-Dollar gehört dazu auch ein umfangreiches Paket aus Mobilfunk-Frequenzen sowie eine siebenjährige Vereinbarung über UMTS-Roaming innerhalb der USA. Der Wert des Gesamtpakets wird auf sechs Milliarden Dollar geschätzt.

Die neuen Frequenzen und das Roaming-Abkommen erlauben es T-Mobile USA nach Angaben des Managers, nun große neue Kundengruppen anzusprechen. Die Zahl potenzieller Nutzer steige damit von 230 auf 280 Millionen. Der Telekom-Chef räumte aber auch ein, dass die grundlegenden Probleme der US-Tochter - etwa beim Aufbau eines modernen LTE-Netzes - damit nicht gelöst seien.

Die drei Milliarden Dollar Barabfindung will der Konzern zum Schuldenabbau verwenden und dadurch den eigenen Schuldenberg um rund fünf Prozent verringern.

Durch die Fusion von AT&T und T-Mobile USA wäre der größte US-Mobilfunk-Anbieter entstanden. Die US-Behörden befürchteten deshalb drastische Wettbewerbseinschränkungen. Der stellvertretende US-Justizminister James Cole begrüßte die Entscheidung der Konzerne als Sieg für Millionen amerikanischer Mobilfunkkunden. Die T-Aktie verlor bis zum Dienstagnachmittag mehr als ein Prozent an Wert.

(dapd )


 


 

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