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Ein Image "auf Lendenhöhe"

Seit Monaten kämpft der Versicherungskonzern Ergo mit peinlichen Enthüllungen

Sanft erklingt das Intro aus "Sunrise" von Norah Jones, dazu erzählen junge, schöne Menschen, was sie von ihrer Versicherung wollen: "Auf Augenhöhe" möchte er sich treffen, sagt ein Mann. Eine junge Frau will wissen, dass ihre Versicherung nicht nur aus "grauen Herren besteht, sondern aus Menschen". Das zu erfüllen, hat der Versicherungskonzern Ergo unter dem Slogan "Versichern heißt verstehen" in seinen TV-Spots versprochen.

Seit aber bekannt geworden ist, wie sehr es bei der Ergo-Vertriebstochter HMI tatsächlich menschelte und wie viel Verständnis es offenbar jahrelang für Unregelmäßigkeiten zulasten der Kunden gab, kommt der Konzern nicht mehr zur Ruhe.

Im Mai war bekannt geworden, dass HMI im Juni 2007 für die erfolgreichsten Versicherungsvertreter eine Orgie mit Prostituierten in der historischen Budapester Gellert-Therme gegeben hat. Im Juni berichtete dann das "Handelsblatt", tausende Kunden seien mit fehlerhaften Riester-Rentenverträgen geschädigt worden. Wenige Tage später hieß es in der "Financial Times Deutschland", Vertreter der einstigen Ergo-Tochter Victoria hätten Kunden wissentlich zu ihrem Nachteil beraten, als sie ihnen "auf Anweisung von oben" empfahlen, beitragsfrei gestellte Lebensversicherungen zu kündigen.

Imageschaden für Versicherer enorm

Der Imageschaden für das Unternehmen ist nun enorm. Zwar sagt Ergo-Chef Torsten Oletzky, der Konzern habe lediglich 500 Kunden "mit konkretem Bezug" auf die Vorwürfe verloren. Ein anderes Bild vermittelt allerdings eine Umfrage des Verlags Markt Intern, der mehrere Fachdienste für die Versicherungsbranche herausgibt: Aus dem Abonnentenstamm befragte Versicherungsmakler, freie und gebundene Versicherungsvertreter, bekommen demnach zu 58 Prozent eine generelle Verunsicherung der Kunden zu spüren. Sogar knapp 84 Prozent befürchten immensen Schaden für die gesamte Versicherungs- und Anlagebranche.

Und auch in der breiten Öffentlichkeit kommt der Konzern bisher nicht aus der Defensive. So sprang Borussia-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Sex-Skandals als Werbepartner ab. Kurz darauf bemühte sich der Versicherer mit einer Entschuldigung in Form ganzseitiger Zeitungsanzeigen um Schadensbegrenzung. Am Mittwoch nun versprach Ergo-Chef Oletzky strengere Verhaltensregeln für Vertreter und mehr Transparenz.

Den Schaden und Spott im Internet wird das wohl kaum bremsen. Seit Monaten wird die hochtrabende Werbekampagne dort reihenweise persifliert. Die Aufforderung, sich "endlich mal auf Lendenhöhe" zu treffen, ist dabei noch einer der harmloseren Witze der Webgemeinde.

(dapd )


 


 

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