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Ein Atomfreund im Grün-Rot-Land

EnBW-Chef Villis will seinen Vertrag nicht verlängern

Es war kein gutes Jahr für Hans-Peter Villis. Der Vorstandsvorsitzende der EnBW musste zusehen, wie sein Unternehmen teilverstaatlicht wurde, die Bundesregierung den Atomausstieg beschloss und der Energieversorger schwere Verluste einfuhr. Dabei zusehen, wie der Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung mit ihm immer weiter aufschob, wollte er nicht mehr. Am Dienstag teilte er dem Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Dieter Hoffmann mit, für eine Vertragsverlängerung nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Von Matthias Jekosch und Karoline von Graevenitz

Der 1958 in Castrop-Rauxel geborene Villis war gewissermaßen von Kindesbeinen an mit dem Energiegeschäft konfrontiert. Sein Vater war Bergarbeiter. Dem "Pott" ist Villis noch immer treu. So sitzt er beim Fußballverein VFL Bochum im Aufsichtsrat .

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bochum ging Villis zielstrebig in die Energiebranche. Nach Zwischenstationen bei der Ruhrkohle und Veba Kraftwerke Ruhr AG (VKR), einem der Vorgängerunternehmen des Düsseldorfer Energiekonzerns E.ON, baute er ab 1993 als kaufmännischer Geschäftsführer die Städtischen Werke Magdeburg auf. Über weitere Tätigkeiten bei der E.on empfahl er sich dann für höhere Aufgaben. 2007 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der EnBW, des drittgrößten deutschen Energieversorgers.

In Karlsruhe machte er sich als Atomfreund einen Namen. Die EnBW setzte mit einem Anteil von 51 Prozent am Energiemix unter den großen deutschen Stromanbietern am stärksten auf die Kernkraft. Das ging auch lange gut und brachte dem Konzern Milliardenbeträge ein. Noch im September verteidigte Villis dem Vernehmen nach sein Vorgehen und sagte, er werde sich jetzt plötzlich nicht hinstellen und sagen, Atomkraft und fossile Kraftwerke finde er "Scheiße".

Rot-grüne BaWü-regierung sitzt mit im Aufsichtsrat

Doch spätestens mit der neuen grün-roten Landesregierung und dem von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg geriet Villis in Bedrängnis. Die EnBW musste nach der Katastrophe von Fukushima zwei von vier Atommeiler vom Netz nehmen und schrieb zum Halbjahr tiefrote Zahlen.

In der Koalition wurde unter der Hand zudem kein Hehl daraus gemacht, dass man den Atomkraft-Verfechter Villis für den falschen Mann hielt, die Energiewende mit einzuleiten. Das hat für Villis Konsequenzen, weil das Land als Eigner von 46,5 Prozent der EnBW-Anteile mit im Aufsichtsrat sitzt.

EWE-Beteiligung trägt bisher keine Früchte

Auch Villis' Versuch über eine Beteiligung an dem Oldenburger Energieunternehmen EWE Zugriff auf den Gasgroßhändler VNG zu erhalten, ging bisher nicht auf. Zum einen müsste der Konzern den Zugriff auf die VNG inzwischen viel zu teuer bezahlen. Zum anderen trug die EWE dem Konzern im dritten Quartal Wertberichtigungen in Höhe von fast 300 Millionen Euro ein. Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller (Grüne) hielt Villis unternehmerische Fehlentscheidungen vor.

Villis zeigt mit seinem Schritt Konsequenz. So ließ er bereits im Sommer über Hintergrundgespräche mit Journalisten durchsickern, dass er bis Ende des Jahres eine Entscheidung der Anteilseigner über seine Zukunft erwarte. Weil es die nicht gab, hat er selbst entschieden.

(dapd )


 


 

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