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"Darüber staune ich noch heute"

BayernLB soll Verwaltungsrat Millionenprovision verschwiegen haben

Der Verwaltungsrat der Bayerischen Landesbank ist nach Angaben des früheren Finanzministers Kurt Faltlhauser (CSU) beim Verkauf der Formel-1-Anteile 2005 vom Bankvorstand hinters Licht geführt worden.

Von Roland Losch

Die Millionenprovision für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sei dem Aufsichtsgremium bewusst verschwiegen worden, sagte Faltlhauser am Mittwoch im Schmiergeldprozess gegen das damalige Vorstandsmitglied Gerhard Gribkowsky. Er hätte dieser Zahlung auch nicht zugestimmt.

Laut Anklage hatte Gribkowsky Ecclestone bei dem Verkauf 66 Millionen Dollar zugeschanzt und dann 44 Millionen Dollar davon als Bestechungsgeld selbst kassiert. Faltlhauser sagte als Zeuge vor dem Landgericht München, die BayernLB habe dem Verwaltungsrat im November 2005 völlig überraschend einen Vertrag vorgelegt, mit dem die bereits auf 360 Millionen Dollar abgewerteten Formel-1-Anteile für 765 Millionen Dollar netto an den britischen Finanzinvestor CVC verkauft werden sollte. "Dass eine Vermittlungsprovision dabei war, wurde dem Verwaltungsrat nicht mitgeteilt, weder mündlich noch schriftlich", sagte Faltlhauser.

Über die Höhe der Provision "staune ich noch heute". Das Aufsichtsgremium sei in diesem Punkt mit Sicherheit "bewusst nicht informiert worden". Denn Ecclestone habe von dem Verkauf an CVC ohnehin persönlich profitiert, weil er so Formel-1-Chef bleiben durfte. Der Verwaltungsrat hätte den Verkauf mit einer solchen Provision nicht durchgewunken, sagte Faltlhauser.

"Die Herren sind genug bezahlt"

Der Verwaltungsrat habe Gribkowskys Wunsch nach einem Sonderbonus für den erfolgreichen Verkauf abgelehnt. "Die Herren sind genug bezahlt, dass sie ihren Job machen", sagte der CSU-Politiker. "Ich habe ihm zu erkennen gegeben: Nix da!" Dass Gribkowsky annähernd zehn Millionen Euro als Sonderbonus haben wollte, habe er erst nach dessen Verhaftung im Januar von der Staatsanwaltschaft erfahren. "Ich wäre ihm ins Gesicht gesprungen", hatte Faltlhauser laut Vernehmungsprotokoll damals gesagt.

"Um Gottes Willen keine Berührung" mit Ecclestone

Die Anklage wirft dem Banker Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor. Gribkowsky schwieg auch am vierten Prozesstag. Am kommenden Montag soll ein ehemaliger Mitarbeiter Gribkowskys aus der BayernLB als Zeuge gehört werden.

Faltlhauser sagte, Ecclestone habe er nie persönlich kennengelernt, ein Treffen bei Rennen habe er abgelehnt: "Ich habe gesagt, um Gottes Willen keine Berührung!"

Nach der Pleite von Leo Kirch 2002 sei die für eine Milliarde Dollar verpfändete Formel 1 die größte Sorge der Landesbank gewesen. Gribkowsky habe das Risikomanagement der BayernLB auf Vordermann gebracht und gute Arbeit geleistet. Der ausgehandelte Verkaufspreis für die Formel 1 "war überraschend hoch", lobte Faltlhauser.

(dapd )


 


 

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